Merkel äußert sich beschämt über Antisemitismus in Deutschland

Merkel äußert sich beschämt über Antisemitismus in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum entschiedenen Kampf gegen Judenfeindlichkeit in Deutschland aufgerufen. "Es ist eine Schande und beschämt mich zutiefst, wie sich Rassismus und Antisemitismus in unserem Land in diesen Zeiten äußern", sagte sie am Dienstag in Berlin bei einem Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dass sich viele Jüdinnen und Juden nicht sicher und nicht respektiert fühlten, mache ihr große Sorgen.

Merkel fügte hinzu: "Es stimmt, Rassismus und Antisemitismus waren nie verschwunden. Doch seit geraumer Zeit treten sie sichtbarer und enthemmter auf." Beleidigungen, Drohungen oder Verschwörungstheorien richteten sich offen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger. "In sozialen Medien triefen viele Äußerungen geradezu vor Hass und Hetze. Dazu dürfen wird niemals schweigen." Der Antisemitismus sei ein Angriff auf Menschen, auf die Menschlichkeit, auf das Menschsein und richte sich gegen die Würde. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit müsse entschieden bekämpft werden.

An der Feierstunde im Innenhof der Neuen Synagoge - Centrum Judaicum nahmen mehrere Regierungsmitglieder und Bundestagsabgeordnete teil, der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sowie weitere Gäste aus Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften. Die Veranstaltung wurde in der ARD live übertragen und als 360-Grad-Video auf der Webseite des Zentralrats übertragen. Das musikalische Programm gestaltete der Geiger Daniel Hope gemeinsam mit dem Kantor Isidoro Abramowicz.

Der Zentralrat der Juden wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Derzeit gehören ihm nach eigenen Angaben 105 jüdische Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern an.

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