Halle-Prozess: Vater von getötetem Kevin S. sagt vor Gericht aus

Halle-Prozess: Vater von getötetem Kevin S. sagt vor Gericht aus

Im Prozess gegen den Synagogen-Attentäter von Halle hat am Dienstag der Vater des getöteten 20-Jährigen ausgesagt. Er beschrieb seinen Sohn als fleißig und höflich, und er sei stolz auf ihn gewesen, dass er trotz einer geistigen Behinderung einen Ausbildungsplatz in einer Malerfirma gefunden hatte, sagte der 44-Jährige vor dem Oberlandesgericht Naumburg, das in Magdeburg verhandelt. Einen guten Freundeskreis habe sich Kevin S. aufgebaut und sei begeisterter Fußball-Fan gewesen.

Kurz bevor Kevin S. in der Mittagspause in den Döner-Imbiss ging, hatte der Vater noch mit ihm telefoniert. Mit tränenerstickter Stimme beschrieb der 44-Jährige, wie er seinen Sohn nicht mehr erreichen konnte, ihm schließlich das Tatvideo von einem Bekannten geschickt wurde und er es sich anschaute. Die Vernehmung musste kurz unterbrochen werden, weil der Vater in Tränen ausbrach und ihm die Stimme versagte. Auch Nebenkläger weinten.

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Weil es ihm nicht gelang, mit Sprengsätzen und Schusswaffen in die Synagoge zu gelangen, erschoss er zunächst eine 40 Jahre alte Passantin und dann in einem nahe gelegenen Kiez-Döner den 20-jährigen Kevin S..

Die Bundesanwaltschaft hat B. wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hielten sich in der Synagoge 52 Gläubige auf. B. droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht.

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