Denkmäler präsentieren sich mit Filmen und virtuellen Rundgängen

Denkmäler präsentieren sich mit Filmen und virtuellen Rundgängen
Tag des offenen Denkmals erstmals überwiegend digital
An einem einzigen Tag einen mittelalterlichen Kirchturm im fränkischen Lauf an der Pegnitz besteigen, über die Burg Zelem am Niederrhein fliegen und den Berliner Dom besichtigen - das ging erstmals in diesem Jahr beim Tag des offenen Denkmals.

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie erstmals überwiegend digital statt. Die auf einer Online-Plattform präsentierten Angebote seien sehr gut angenommen worden, teilte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn mit. Es habe viele begeisterte Rückmeldungen gegeben. Die vielen ehren- und hauptamtlichen Veranstalter hätten "regelrechte kleine virtuelle Kunstwerke geschaffen", sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny.

Hunderte Denkmäler beteiligten sich den Angaben zufolge mit mehr als 1.200 Beiträgen, darunter Filme, digitale Rundgänge, Fotoreihen, Schnitzeljagden, Live-Veranstaltungen und Podcasts. Damit waren Blicke hinter die Fassaden von Kirchen, Burgen und anderen historischen Gebäuden oder Parks von der Ostsee bis in das Allgäu erstmals am gleichen Tag möglich.

"Am Tag des offenen Denkmals strömen üblicherweise Millionen Menschen in Tausende Denkmale", sagte Skudelny. Genau das habe man in diesem Jahr leider vermeiden müssen. Deshalb freue er sich, dass es auf digitalem Wege gelungen sei, den Denkmaltag trotz Corona flächendeckend möglich zu machen.

Interessierte konnten unter anderem an einer virtuellen Baustellenführung durch die Bonner Beethovenhalle teilnehmen oder einen Blick in das Innere der Astronomischen Uhr der St.-Marien-Kirche Rostock werfen. Aufnahmen mit einer Drohne erlaubten ungewöhnliche Perspektiven auf das 1998 stillgelegte "Stellwerk 08" in Heidelberg. Ein Film über das "schmale Haus" in Eisenach informierte nicht nur über das wohl schmalste Wohngebäude Deutschlands, sondern ließ auch Zeitzeugen zu Wort kommen, die in dem Haus an Montagsrunden von DDR-Oppositionellen teilnahmen.

Die Beiträge auf der Online-Plattform "tag-des-offenen-denkmals.de" sollen noch bis Ende September abrufbar bleiben. Zum Teil gab es aber auch vor Ort Veranstaltungen. Im Archäologischen Park Xanten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund oder im Baukunstarchiv NRW fanden beispielsweise Führungen statt. Zumeist war allerdings eine Anmeldung vorab erforderlich.

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days und stand in diesem Jahr unter dem Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken". Seit 1993 öffnen am zweiten Sonntag im September Kulturdenkmäler ihre Türen für ein breites Publikum. Im vergangenen Jahr lockten rund 8.000 Denkmäler in ganz Deutschland mehrere Millionen Besucher an. Im nächsten Jahr findet der Tag des offenen Denkmals am 12. September statt, die bundesweite Eröffnung ist in der Lutherstadt Wittenberg geplant.