Expertin: Fachkräfteeinwanderung liegt auf Eis

Expertin: Fachkräfteeinwanderung liegt auf Eis
31.07.2020
epd-Gespräch: Christina Denz
epd

Frankfurt a. M. (epd). Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland ist nach Einschätzung der Migrationsexpertin Bettina Offer in der Corona-Krise nahezu zum Erliegen gekommen. "Die Fachkräfteeinwanderung liegt gerade auf Eis", sagte Offer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zwar könnten Firmen aus unaufschiebbaren Gründen versuchen, Fachkräfte etwa aus Indien oder Mexiko nach Deutschland zu holen. Die Behörden würden die Unternehmen dabei auch unterstützen. "Oft scheitert es aber daran, dass die Leute schlicht kein Flugzeug bekommen oder die Grenzen geschlossen sind", sagte die Frankfurter Juristin.

Dreh- und Angelpunkt für immigrationswillige Fachkräfte sind Offer zufolge die deutschen Auslandsvertretungen, die die Einreisevisa erteilen. Die Botschaften, Konsulate und andere Vertretungen seien aber zwischen März und Juni vielfach von den Pandemierestriktionen betroffen gewesen.

"Das ist tragisch, denn gerade jetzt brauchen viele Branchen dringend Facharbeiter, um die Wirtschaft beim Neustart zu unterstützen", sagte Offer, die Unternehmen beim Fachkräftezuzug berät. Zwar rechnet sie damit, dass mit den Lockerungen seit Anfang Juli mehr Fachkräfte ins Land kommen werden. "Es braucht aber etwas Zeit, bis das System wieder anfährt", sagte sie. Und die Gefahr neuer Corona-Einschränkungen bleibe weltweit bestehen: "Wenn Länder in den Lockdown gehen, ist keine Bewegung möglich."

Das seit 1. März 2020 geltende Fachkräfteeinwanderungsgesetz will die Zuwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern erhöhen. Künftig soll es auch mit einer Berufsausbildung möglich sein, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen. Bisher gilt das mit Ausnahmen nur für Akademiker. Voraussetzung sind die Anerkennung des Berufsabschlusses und deutsche Sprachkenntnisse. Auch eine befristete Einreise zur Arbeitssuche ist möglich.