Vermittlungsagentur: Haushaltshilfen müssen einreisen können

Vermittlungsagentur: Haushaltshilfen müssen einreisen können

Die Münchner Vermittlungsagentur Hausengel Holding AG für private Haushaltshilfen aus Osteuropa ruft dazu auf, die Ein- und Ausreise der hier beschäftigten Frauen sicherzustellen. "Die Corona-Krise hat ganz klar Auswirkungen auf die vielen in Privathaushalten tätigen Betreuungskräfte aus Osteuropa", sagte Vorstandsmitglied Juliane Bohl dem Evangelischen Pressedienst (epd). Derzeit sei die Lage für die Familien noch nicht dramatisch, denn Bestandskunden seien noch gut versorgt. Wenn aber Betreuungskräfte abreisten und zugleich kein Wechselpartner nach Deutschland einreisen könne, dann könne die ambulante Versorgung nicht mehr sichergestellt werden.

Für Klienten, deren Versorgungsbedarf sich im eigenen Haushalt erhöht oder auch für Neukunden könne bereits jetzt keine Versorgungsgarantie mehr gegeben werden. Laut Bohl sind bundesweit rund 300.000 Haushalte auf diese privat organisierten und bezahlten Hilfskräfte angewiesen. Hausengel hat nach eigenen Angaben aktuell knapp 3.700 Hilfen vermittelt, die meisten Frauen stammen aus Polen, Kroatien und Litauen.

Viele Frauen aus Osteuropa wollten nicht mehr kommen, weil unklar sei, ob und wie sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können, erklärte Bohl. "Ich fordere die Bundesregierung auf, für diese Betreuungskräfte eine praxisnahe und schnelle Regelung zu finden." Es sei dabei nicht damit getan, ihnen eine Erlaubnis auszustellen. Die Frauen seien auf Transportunternehmen angewiesen, da sie meist nicht mit einem eigenen Auto anreisten. "Was uns am stärksten trifft, ist die Einschränkung beziehungsweise Beendigung der grenzüberschreitenden Tätigkeiten von Transportunternehmen wie Eurolines Touring, Flixbus oder Sindbad."

Um Grenzübertritte etwa nach Polen zu vermeiden, wo nach einer Einreise aus Deutschland eine zweiwöchige Quarantäne Pflicht ist, verlängerten viele Betreuungskräfte ihre bestehenden Aufträge, erläuterte Bohl. "Das trifft vor allem auf Betreuungskräfte zu, die über eine deutsche private Krankenversicherung verfügen." Auch diejenigen Hilfen, die über eine deutsche Gewerbeanmeldung arbeiteten, seien erleichtert, dass Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigt habe, dass er in der Corona-Krise Selbstständigen einen leichteren Zugang zum Grundsicherungssystem gewähren wolle. "Denn wenn diese Kräfte aufgrund von Grenzschließungen keine Aufträge mehr annehmen können, kämpfen auch sie um ihre Existenz", betonte Bohl.