"Schicksalsgemeinschaft" mit China-Rückkehrern

"Schicksalsgemeinschaft" mit China-Rückkehrern
DRK-Freiwillige betreuen die rund 120 Menschen in einer pfälzischen Kaserne - Quarantäne wegen Coronavirus
07.02.2020
epd-Gespräch: Karsten Packeiser
epd

Knapp eine Woche nach der Evakuierung von rund 120 Menschen aus dem chinesischen Wuhan nach Deutschland ist die Stimmung in der Quarantäne-Station im pfälzischen Germersheim den Umständen entsprechend gut. Für die ebenfalls dort von der Öffentlichkeit isolierten Helfer habe ein Regelbetrieb begonnen, sagte Oliver Talke, Landesbeauftragter für Betreuungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), dem Evangelischen Pressedienst (epd). Alle seien weiter hoch motiviert. Der Rheinland-Pfälzer ist einer von 20 Freiwilligen, die zur Unterstützung der ausgeflogenen Deutschen in die Bundeswehrkaserne gezogen sind.

"Ich bin sicher, jeder der hier ist, würde es wieder machen", berichtete Talke über die Stimmung unter den DRK-Helfern, von denen einige aus Hessen oder Brandenburg stammen. Einer der Freiwilligen habe in der Quarantäne sogar seinen Geburtstag gefeiert. In den ersten Tagen sei die Arbeitsbelastung mit bis zu 14 Stunden Dienst sehr hoch gewesen. Aufgaben der DRK-Helfer sind unter anderem die Essensausgabe und ein tägliches Gesundheits-Screening bei den Bewohnern des Quarantäne-Bereichs.

Das DRK sei auch zuständig für die Beschaffung von Medikamenten oder anderer Dinge bis hin zu Feuerzeugen oder einer Kinderjacke. Alle Lieferungen in die Quarantäne müssten offiziell über die Bundeswehr angemeldet werden. "Wir müssen verhindern, dass Probleme von außen hier hereinkommen", sagte der DRK-Helfer. Strenge Regeln seien unvermeidbar, um die Gefahr auszuschließen, dass von außen etwa über verunreinigte Lebensmittel Rotaviren auf das Gelände gelangten. Auch für die Reinigung der Räume seien die Helfer zuständig: "Wir sind im Prinzip auch das Putzkommando."

Viel Zeit sei für die tägliche Wäsche nötig. Um das Risiko einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu verringern, wechseln die Helfer täglich ihre Dienstkleidung, die sie anschließend selbst desinfizieren müssen. Im Quarantäne-Bereich gebe es durchaus Kontakte zwischen den Bewohnern. Alle seien aufgefordert, "mindestens eine Armlänge Abstand zueinander zu halten". Für Raucher, die den Mundschutz zum Rauchen abnehmen, gelte ein größeres Abstandsgebot. Einen "Lagerkoller" habe trotz der beengten Verhältnisse bislang noch niemand bekommen. "Es müssen sich halt alle ein bisschen zusammenreißen", sagte Talke über die beengten Verhältnisse.

Der DRK-Mitarbeiter sagte, die Arbeit in der Quarantäne-Station ähnele einem Einsatz in der Flüchtlingshilfe, als er vorübergehend eine Notunterkunft leitete. Um Krankentransporte zu verhindern, hat das DRK auf dem Kasernengelände eine mobile Arztpraxis aufgebaut. Für die Bewohner wurde ein "Sorgentelefon" eingerichtet. DRK-Sprecher Kai Kranich sagte dem epd, Helfer und Ausgeflogene seien mittlerweile zu einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammengewachsen. Seinen Angaben zufolge gab es in Deutschland bislang keinen vergleichbaren Einsatz, bei dem eine so große Gruppe längere Zeit isoliert werden musste.

Wegen der im Dezember 2019 erstmals aufgetauchten neuen Lungenkrankheit hatte die Bundeswehr Deutsche und ihre Angehörigen am vergangenen Samstag aus Wuhan ausgeflogen. Anschließend wurden alle Passagiere in die Südpfalz-Kaserne nach Germersheim gebracht. Zwei China-Rückkehrer kamen in eine Klinik, nachdem sie positiv auf das Virus getestet worden waren.