Tropenmediziner rät trotz erstem Coronavirus-Fall zu Gelassenheit

Tropenmediziner rät trotz erstem Coronavirus-Fall zu Gelassenheit
28.01.2020
epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt
epd

Der Würzburger Tropenmediziner August Stich rät angesichts des bundesweit ersten bestätigten Infektionsfalls mit dem Coronavirus in Bayern zu "aufmerksamer Gelassenheit". "Die Einschläge kommen zwar näher, aber mehr ändert sich an der Gesamtsituation auch nicht", sagte der Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin an der Würzburger Missioklinik am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). In China breite sich das Virus zwar rasant aus, in Europa seien bisher aber keine Fälle von Sekundärinfektionen von Mensch zu Mensch bekannt. Stich gilt als Experte für neue auftretende Infektionskrankheiten.

Zur Gefährlichkeit des Virus sagte Stich, noch wisse man darüber für eine abschließende Bewertung zu wenig. Die Hauptgefahr liege derzeit "in irrationalen und panischen Reaktionen". Alleine gestern seien im Klinikum Würzburg Mitte, zu dem die Missioklinik gehört, mehrere Patienten zur Abklärung erschienen. "Das Gesundheitssystem erfährt dadurch jetzt schon eine enorme Mehrbelastung", sagte Stich. Auch aus diesen Gründen sei eine Grippe-Schutzimpfung empfehlenswert, weil sie "die Zahl der Verdachtsfälle deutlich reduziert". Nun müsse jeder seine "Basishygiene erhöhen" und Kontakte reduzieren.

Stich sagte: "Ein neuer Virus ist wie eine unbekannte Straße: es gibt Schlaglöcher, Kurven und Wildwechsel - man muss vorsichtig sein, aber Vollbremsungen helfen einem auch nicht weiter." Man sei hierzulande inzwischen viel besser auf den Ausbruch einer neuen Viruserkrankung vorbereitet als etwa Ende 2002 beim Aufkommen der Lungenkrankheit SARS, die von einem anderen Coronavirus verursacht wird. Zwar sei die Sterblichkeitsrate mit aktuell zwei Prozent nicht niedrig - sie sei aber im Vergleich zum Beispiel mit Ebola und auch dem SARS-Erreger deutlich geringer, nach alledem was man bislang über das Virus wisse.

Akut gefährdet seien ohnehin nur diejenigen Personen, die sich in den vergangenen beiden Wochen im "Ausbruchgebiet" des neuen Virus befunden hätten. Diese sollten auf einschlägige Symptome wie Fieber oder Beschwerden in den unteren Atemwegen achten und diese dann bei Bedarf von Ärzten abklären lassen. Das neuartige Coronavirus, das noch keinen eigenen Namen hat, kann eine Lungenkrankheit auslösen. Erstmals aufgetreten ist es in China, dort sind bereits mehr als 100 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bekannten Erkrankungen weltweit liegt bei mehr als 4.500 Fällen.

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