Kirchen und Diakonie warnen vor Antisemitismus

Davidstern an Kette

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Kirchen und Diakonie warnen vor Antisemitismus
Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar haben sich auch Vertreter der Kirchen zu Wort gemeldet und eindringlich vor Antisemitismus gewarnt.

Berlin, Frankfurt a.M. (epd). Vor dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben Vertreter von Kirchen und Diakonie an die Opfer des Holocaust erinnert und vor Antisemitismus gewarnt. "Es ist unerträglich und nicht hinzunehmen, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft zunimmt", erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie am Sonntag in Berlin. Der Theologe rief dazu auf, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und jede Form von Antisemitismus zurückweisen.

"Das jüdische Leben in Deutschland ist für uns alle ein Glücksfall", unterstrich der Diakonie-Präsident und rief zur Solidarität mit Juden auf. Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Allein dort wurden von den Nationalsozialisten etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, die allermeisten von ihnen waren Juden.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rief ebenfalls dazu auf, das Gedenken an die Opfer des Holocaust wachzuhalten. Auschwitz habe die Welt verändert, sagte er am Sonntag in der Marktkirche in Hannover. Die Gründung des Staates Israel sei nicht zu denken ohne das Wort Auschwitz: "Ein Land, ein Staat, eine Verheißung, die auf die Suche nach Sicherheit für Jüdinnen und Juden in einer Welt, die immer noch voller Antisemitismus ist, eine Antwort gibt."

Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, sagte bei einem Gedenkgottesdienst für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma im Berliner Dom, Zukunft brauche Erinnerung. Die Erinnerung an den Völkermord durch die Nationalsozialisten sei nötig, "damit Vergebung und Versöhnung eine Chance bekommen, selbst dann, wenn keine Heilung mehr möglich ist", sagte die Theologin.

Für die Angehörigen der Sinti und Roma sei dasselbe Schicksal vorgesehen gewesen wie für die jüdische Bevölkerung, sagte Bosse-Huber. Für die Mehrheitsgesellschaft bedeute dies, "Wahrheiten auszuhalten und anzuerkennen" und sich "einen brutal ehrlichen Spiegel vorhalten zu lassen". Sinti und Roma wurden in der Nazi-Zeit systematisch als sogenannte "Zigeuner" verfolgt. Mehrere Hunderttausend von ihnen wurden im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten ermordet.

In Nordrhein-Westfalen riefen die Spitzen von Staat, Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie Arbeitgebern und Arbeitnehmern erstmals gemeinsam zum Kampf gegen Judenhass und Rassismus auf. "75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nimmt der Antisemitismus in unserem Land erneut zu", heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von Juden, Christen, Muslimen, Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Landesregierung. Zu den Unterzeichnern zählen auch Spitzenvertreter der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer.

epd lob/lnb/lwd jup

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