Kirchen: Holocaust-Gedenktag erinnert auch an Überwindung des NS

Kirchen: Holocaust-Gedenktag erinnert auch an Überwindung des NS
Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ist auch ein Anlass, Dankbarkeit für das Ende des Nationalsozialismus zu empfinden, erklären katholische und evangelische Kirche. "Vor allen Opfern verneigen wir uns", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Der Holocaust-Gedenktag ist für die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland auch ein Anlass zur Dankbarkeit. Recht verstanden sei der 27. Januar ein Tag, für den man Dankbarkeit empfinden könne, denn er handle davon, dass den Verbrechen der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt wurde, heißt es einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag in Hannover und Bonn veröffentlicht wurde. Zusammen mit dem 8. Mai, dem Tag der Befreiung, erinnere dieser Gedenktag auch an die Überwindung eines politischen Systems, das keinerlei Respekt für das Leben und die Würde des Menschen gekannt und die Ausrottung ganzer Menschengruppen zum Programm erklärt und systematisch organisiert habe.

Am 27. Januar wird international der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren gedacht. "Vor allen Opfern verneigen wir uns. Ihr Andenken darf weder den heute lebenden Generationen noch den künftigen gleichgültig werden", schreiben der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

Man dürfe nicht darüber hinwegsehen, dass viele Christen mit dem nationalsozialistischen Regime kollaboriert, zur Verfolgung der Juden geschwiegen oder ihr sogar Vorschub geleistet hätten, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Bischofskonferenz und EKD weiter. "Auch Verantwortliche und Repräsentanten der Kirchen standen oft mit dem Rücken zu den Opfern." Antijudaismus, also die Ablehnung der Juden aus religiösen Gründen, habe die europäische Kultur über Jahrhunderte geprägt. Die Kirchen hätten sich dieser Geschichte nach 1945 gestellt. Man sei dankbar dafür, dass schon wenige Jahre nach der Shoah auch in Deutschland Juden das offene und ehrliche Gespräch mit Christen gesucht hätten, schreiben Bedford-Strohm und Marx.

Dass der Mord an sechs Millionen Juden von einem Land mit jahrhundertelanger christlicher Prägung, mit humanistisch-aufklärerischer Bildungstradition ausging, führe allen vor Augen, wie brüchig die Grundlagen der Menschlichkeit zu allen Zeiten sind. Deshalb werde die Shoah fast überall in der Welt erinnert. Es sei ein Gedenken um unser aller Zukunft willen.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erklärte laut einer Mitteilung der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Erinnerungsarbeit habe nicht nur einen Anspruch des Gedenkens, sondern der Aufklärung. Kohlgraf ist Präsident der deutschen Sektion der internationalen Organisation. Um der Zukunft willen sei diese Erinnerungsarbeit notwendig, gerade weil sich ein gewisser gesellschaftspolitischer Konsens in dieser Frage aufzulösen drohe und von den seinerzeit Beteiligten - Opfern und Tätern - nur noch wenige lebten.

Erinnerungsarbeit sei wichtig, um sich denen entgegenzustellen, die öffentlich einen Geschichtsrevisionismus artikulierten und die Bedeutung des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus verhöhnten. Kohlgraf warnte vor einer Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, vor einer verbreiteten Abwehr gegenüber Menschen in Not, der Aufweichung des Rechts auf Asyl und eine mit all dem einhergehende Abwertung der Demokratie. "Noch bedrohen Rechte und Rassisten vor allem Einzelpersonen, auch mit unmittelbarer Gewalt. Doch gemeint sind wir alle, die für eine offene und freie Gesellschaft eintreten", sagte er.

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