Bischof Oster für neue kirchliche Gerichtsbarkeit in Deutschland

Bischof Oster für neue kirchliche Gerichtsbarkeit in Deutschland

Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht in der katholischen Kirche in Deutschland Reformbedarf beim Thema "Macht und Gewaltenteilung". Die Frage, ob und wie ein Bischof in seinem Handeln zur Rechenschaft gezogen werden könne, sei berechtigt, sagte Oster der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Dies liege bisher allein beim Papst. "Hier bin ich für eine neue kirchliche Gerichtsbarkeit bei uns, die hier schneller und effektiver wirksam werden kann", sagte Oster. Beim Bischofsamt könne er sich vorstellen, dass es "Vorschlagsrechte von Laiengremien gibt".

Zur priesterlichen Lebensform der Ehelosigkeit sagte Oster, dies sei nur aus dem Glauben heraus zu verstehen. Die Lebensform Jesu sei ein großes Glaubenszeugnis. Wenn dies verschwinde, "amputiert sich die Kirche um ein großes geistliches Zeugnis". Seiner Ansicht nach könnten Frauen in der katholischen Kirche noch mehr Leitungsaufgaben übernehmen. "Aber für das Priesteramt sehe ich keine Möglichkeit", sagte Oster.

Der "synodale Weg" sei ein geschützter Raum, in dem jeder frei sprechen könne, sagte der Bischof. Dabei gehe es nicht um "kirchenpolitisches Geschacher". Das Evangelium sei eine frohe, aber auch unbequeme Botschaft. Es dürfe nicht einfach Mehrheitsentscheidungen unterworfen werden.

Der "synodale Weg" ist ein Beratungsprozess, an dem sowohl die deutschen Bischöfe als auch Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) beteiligt sind. Er ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, die erste Plenarversammlung soll Ende Januar 2020 beginnen. Der "synodale Weg" soll Reformen in Gang setzen, die die katholische Kirche aus der Krise nach dem Missbrauchsskandal herausführen. Vier Themenbereiche stehen bislang fest: die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche und klerikaler Machtmissbrauch, die priesterliche Lebensform, die katholische Sexualmoral sowie die Beteiligung von Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.

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