Umweltexperte fordert von Politik klimapolitisch ambitionierten Kurs

Umweltexperte fordert von Politik klimapolitisch ambitionierten Kurs
19.09.2019
epd-Gespräch: Marc Patzwald
epd

Der Umweltexperte und Theologe Klaus Breyer fordert von der Politik einen klimapolitisch ambitionierten Kurs, der die Bevölkerung mitnimmt und Planungssicherheit gibt. "In meiner beruflichen Praxis habe ich über Jahrzehnte erlebt, dass die Zukunftsaufgabe Klimaschutz immer wieder blockiert, zwischen Interessensgegensätzen zerrieben oder zerredet wurde", sagte der Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Hier hoffe ich auf mutige Beschlüsse des Klimakabinetts am Freitag, bin jedoch skeptisch, ob der politische Gestaltungswillen dazu reichen wird."

"Klimaschutz muss jetzt zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden, mit ambitionierten Rahmenvorgaben", betonte der Theologe. Dazu gehörten ein Klimaschutzgesetz, ein konsequenter frühestmöglicher Kohleausstieg, ein Steuer- und Abgabensystem, das sich sozialverträglich am Klimaschutz orientiere wie etwa die CO2-Bepreisung, die verbesserte Förderung von Klimaschutz im Gebäudebereich, eine Mobilitätswende und der Ausbau der erneuerbaren Energien.

"Der notwendige Strukturwandel an den Kohlestandorten muss sozialverträglich gestaltet werden", erklärte Breyer. Zum einen brauche es neue tarifgebundene Arbeitsplätze, die den Menschen, deren Arbeitsplatz in Gefahr ist, eine Zukunftsperspektive geben. Zum anderen gelte es, die immer noch von Umsiedlung bedrohten Ortschaften und den Hambacher Wald zu erhalten. "Die schwelenden Konflikte vor Ort müssen befriedet werden", sagte der Umweltexperte. "Es sollte ein Moratorium geben, so lange keine Übereinkunft über die Verkleinerung der Tagebaue und eine neue Leitentscheidung gefunden wurde."

Viele Christinnen und Christen würden sich am globalen Aktionstag für den Klimaschutz von "Fridays for Future" am Freitag beteiligen. "Mit großem Respekt sehen wir das Engagement der Jugendlichen und unterstützen ihre Anliegen", betonte der Umweltexperte. Für Freitag hat ein Bündnis rund um "Fridays for Future" zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Bislang sind den Veranstaltern zufolge mehr als 400 Demonstrationen und Aktionen allein in deutschen Städten angemeldet.

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