Studie warnt vor Lehrermangel an Grundschulen

Studie warnt vor Lehrermangel an Grundschulen
Bundesbildungsministerin: Deutschland braucht mehr Pädagogen
Weil die Zahl der Schüler laut einer Studie schneller wächst als bisher angenommen, werden bundesweit auch mehr Grundschullehrer zusätzlich gebraucht. Die Bertelmann Stiftung und die Gewerkschaft GEW warnen vor einem Lehrermangel.
Deutschland spricht 2019

Wegen steigender Schülerzahlen werden laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung bis 2025 voraussichtlich mindestens 26.300 Grundschullehrer zusätzlich benötigt. Das wären rund 10.000 Lehramtsabsolventen mehr als bislang von der Kultusministerkonferenz (KMK) geschätzt, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh bei der Vorstellung der Studie. Die Bertelsmann-Stiftung und die Lehrergewerkschaft GEW forderten mehr Studienplätze und eine Qualifizierung von Quereinsteigern. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rief zu größeren Anstrengungen auf, mehr Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen.

Im Jahr 2025 werde es aktuellen Prognosen zufolge 3,064 Millionen Grundschüler geben, erklärten die Autoren der Studie. Das seien rund 168.000 mehr als von der Kultusministerkonferenz im Oktober 2018 geschätzt. Für das Jahr 2030 geht die Studie von 3,181 Millionen Grundschülern aus. Wenn es bis 2025 nicht gelinge, die bis dahin entstandene Lehrerlücke zu schließen, drohe der Mangel bis 2030 fortzubestehen, warnten die Studienautoren. Sie beziehen sich auf eine Schätzung des Statistischen Bundesamts von Juni.

Die Zahl der Schüler wachse dynamischer als bislang angenommen, erklärte das Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Zugleich dauere es noch Jahre, bis zusätzlich eingerichtete Studienplätze mehr Absolventen hervorbringen würden. "Wir brauchen daher schnelle Lösungen, um gute Bildung für alle gewährleisten zu können." Dräger warb für berufsbegleitende Qualifizierungen für Gymnasiallehrer sowie für Quereinsteiger mit einem Fachstudium, die keinen Lehramtsabschluss haben. Auch sollten angehende Ruheständler ermuntert werden, länger zu unterrichten.

Bundesbildungsministerin Karliczek forderte mehr Studienplätze für die Lehrerausbildung. Die Studie zeige, dass Deutschland deutlich mehr Pädagogen brauche, als die Länder bislang angenommen hätten, sagte Karliczek den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es müssten mehr junge Leute für den Lehrerberuf gewonnen werden. Dafür müssten Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen erweitert werden. Zudem sollten die Prognoseinstrumente für den Lehrerbedarf weiterentwickelt werden, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Die Gewerkschaft GEW forderte eine Abschaffung der Zugangsbeschränkung (Numerus Clausus) für das Lehramtsstudium sowie eine Aufstockung der Studienplätze. Es sei eine Schande, dass junge Menschen, die sich für den wichtigen Beruf eines Grundschullehrers entschieden hätten, keinen Studienplatz bekommen, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in Frankfurt am Main.

"Auch unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass der Bedarf an Grundschullehrern größer ist als zunächst angenommen", sagte ein Sprecher der Kultusministerkonferenz in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das werde sich auch in den Berichten niederschlagen, die die Kultusministerkonferenz noch in diesem Jahr veröffentlichen werde. Die Länder reagierten bereits mit Änderungen der Schulorganisation und Seiteneinsteigerprogrammen auf die aktuellen Entwicklungen. Ebenso würden Maßnahmen zur Steigerung der Zahl der Lehramtsstudierenden und der Attraktivität des Berufs vorangetrieben. Diese Maßnahmen benötigten jedoch Zeit, sagte der Sprecher.

Meldungen

Top Meldung
Der Berliner Protestforscher Simon Teune geht davon aus, dass die Klimabewegung "Fridays for Future" sehr lange aktiv sein wird. "Die Ausgangsbedingungen für einen langanhaltenden Protest sind sehr gut, weil es eine breite Unterstützung gibt",