Kundgebungen gegen Heß-Gedenken in Berlin

Kundgebungen gegen Heß-Gedenken in Berlin
Bischof Dröge warnt vor Umdeutung der deutschen Geschichte
Deutschland spricht 2019

Bei mehreren Veranstaltungen sind am Samstag in Berlin Demonstranten für Toleranz und gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Anlass war der Todestag des Kriegsverbrechers und ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 im Gefängnis Berlin-Spandau das Leben genommen hatte. Das Datum wird seit Jahren von Neonazis genutzt, um Kundgebungen abzuhalten. Für Samstag war allerdings keine Heß-Gedenkveranstaltung angemeldet worden, wie eine Sprecherin der Polizei am Samstagmittag auf Anfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilte.

Auf dem Alexanderplatz versammelten sich rund 150 Menschen zu einer Kundgebung des Bündnisses für ein weltoffenes und tolerantes Berlin. Die Demonstration an der Weltzeituhr stand unter dem Motto "Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen - für Gegenwart und Zukunft". Weitere Kundgebungen fanden etwa in den Bezirken Spandau und Lichtenberg statt. Andere Veranstaltungen seien abgesagt worden, hieß es von der Polizei. Grund war vermutlich die Tatsache, dass keine Neonazi-Demonstrationen an diesen Orten angemeldet wurden.

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge warnte in einer Rede auf dem Alexanderplatz vor einer Umdeutung der deutschen Geschichte durch Rechtsextremisten und Rechtspopulisten: "Wer nicht verantwortlich mit der Vergangenheit umgeht, der kann auch nicht verantwortungsvoll die Zukunft gestalten", sagte er.

Als Beispiele für eine "Verdrehung der historischen Wahrheit um 180 Grad" durch Rechtspopulisten verwies Dröge unter anderem auf wiederholte Störungen durch Besuchergruppen in Gedenkstätten für NS-Opfer, eingeladen von AfD-Funktionären, und die Instrumentalisierung der friedlichen Revolution in der DDR, indem Rechtspopulisten sich heute mit den Bürgerrechtlern von damals verglichen. Weitere Redner warnten vor einer Verharmlosung der NS-Zeit und des Rechtsextremismus.

Das Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin wird von zahlreichen Organisationen getragen. Darunter sind der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Landessportbund Berlin, die beiden großen Kirchen, das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus Berlin und der Zentralrat der Muslime.

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