Steinmeier: Mut der NS-Widerstandskämpfer bleibt unvergessen

Frank-Walter Steinmeier

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Portrait von Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Deutschland spricht 2019
Steinmeier: Mut der NS-Widerstandskämpfer bleibt unvergessen
Gedenken an Henning von Treskow in Potsdam

Berlin (epd). Zum 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Widerstandskämpfer gewürdigt. "Den verzweifelten Versuch der mutigen Widerständler vom 20. Juli, den grausamen Krieg und die Herrschaft des Nazi-Regimes zu beenden, haben die daran Beteiligten und ihre Unterstützer mit ihrem Leben bezahlt", sagte Steinmeier in einem am Freitag veröffentlichten Video-Statement auf der Plattform Instagram. "Ihr Mut bleibt uns unvergessen." In Potsdam und Leipzig wurde am Freitag mit Gedenkveranstaltungen an Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur erinnert.

Es habe zu wenig Widerstand gegen das Hitler-Regime gegeben, sagte der Bundespräsident: "Aber es gab die Mutigen, die nicht weggeschaut haben, die Mitmenschlichkeit bewahrt haben, die andere vor Verfolgung geschützt haben und die Naziverbrechen vereitelt haben." Alle, die Widerstand geleistet haben, hätten Freiheit, Gesundheit, sogar ihr Leben riskiert, sagte Steinmeier. Er erinnerte auch an die Gruppe "Weiße Rose" um Sophie Scholl und das ebenfalls gescheiterte Attentat von Georg Elser.

Viel zu lange sei den Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 Anerkennung verweigert worden. "Dabei sind sie ein so wichtiger Teil der deutschen Freiheitsgeschichte", sagte Steinmeier. Zum 75. Jahrestag richtet die Bundesregierung an diesem Samstag eine Gedenkstunde aus, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird.

Eine Gruppe deutscher Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Adolf Hitler zu töten. Der Sprengstoffangriff im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" scheiterte. Stauffenberg und drei seiner Mitverschwörer wurden noch in der Nacht zum 21. Juli in Berlin standrechtlich erschossen. In den folgenden Wochen wurden weitere rund 200 Mitwisser und Angehörige des Widerstands hingerichtet. Viele andere wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.

In Potsdam wurde am Freitag an den Widerstandskämpfer Henning von Tresckow (1901-1944) erinnert, der sich nach dem Scheitern des Anschlags am 21. Juli 1944 in Ostpreußen das Leben nahm. Tresckow sei einer der wichtigsten und entschlossensten Akteure des militärischen Widerstands gegen Hitler gewesen, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), der für die Landesregierung an der Gedenkveranstaltung teilnahm. "Um den Diktator zu beseitigen, war Tresckow bereit, auch persönlich den letzten Einsatz zu wagen."

Am Leipziger Denkmal für den früheren Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler legten am Freitag Angehörige der Bundeswehr sowie Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen weiße Rosen nieder. Auch Goerdeler war wegen seiner Beteiligung an der Verschwörung vom 20. Juli hingerichtet worden. Sein Enkel Andreas Goerdeler forderte, nicht zuzulassen, dass der Nationalsozialismus oder sein Gedankengut "schleichend wieder hoffähig" gemacht würden.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte in Potsdam, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten sowie Rechtsextremisten und Rechtspopulisten entschieden entgegenzutreten. Ähnlich äußerte sich der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, dessen Vater wegen Beteiligung am NS-Widerstand 1945 hingerichtet wurde. Zum Jahrestag des Hitler-Attentats sei es heute die wahre Aufgabe, an die Ursachen des Nationalsozialismus zu erinnern, sagte er im Deutschlandfunk. Er würdigte die Widerständler um Stauffenberg und rief auf, sich neuem Nationalismus auch auf lokaler Ebene entschieden entgegenzustellen.

epd co/lob/rks jup