Deichtorhallen präsentieren junge Foto-Kunst

Deichtorhallen präsentieren junge Foto-Kunst
Deutschland spricht 2019

Im "Haus der Photographie" der Hamburger Deichtorhallen zeigen junge Fotokünstler bis zum 3. Oktober ihre Werke. Die vier Frauen und sechs Männer sind Gewinner des Nachwuchswettbewerbs "Gute Aussichten 2018/19", der in diesem Jahr zum 15. Mal ausgetragen wurde. Mit ihren Fotobildern, Siebdrucken, Videos und einer Diaprojektion würden sie das breite Spektrum der modernen Fotografie zeigen, sagte Kurator Ingo Taubhorn am Donnerstag bei der Präsentation. Die aktuellen Werke zeigten mehr Empfindungen, Fragen und Ängste als noch vor einigen Jahren.

Die Fotojournalistin Sina Niemeyer aus Hannover hat ihren eigenen sexuellen Missbrauch künstlerisch aufgearbeitet. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch niedergeschrieben. Die Ausstellung zeigt ihren Film und Fotografien, eine Vitrine mit persönlichen Texten und eine Installation.

Holger Jenns hat sich dem Thema Kolonisation gewidmet und unter anderem den niedersächsischen "Serengeti-Park" besucht. Nach seinen Beobachtungen spiegelt die Aufmachung vieler Parks und Zoos auch heute noch die Kolonialperspektive wider. Die Besucher würden wie in einem Abenteuerroman den Blick des weißen Entdeckers einnehmen, so Jenns. Gezeigt werde meist die Wildnis mit exotischen Tieren, aber nie die Situation der Afrikaner selbst.

Ruhige, farbenprächtige Landschaftsbilder des Elsass prägen den Film "Der Schatten" von Steve Luxembourg. Der Braunschweiger Künstler ist der Symbolik und den Geheimnissen des katholischen Rosenkranzes nachgegangen. Die Berlinerin Fotografin Laila Kaletta hat über die Unsterblichkeit gearbeitet. Weil Quallen durch die Regeneration ihrer Zellen als unsterblich gelten, hat sie einen japanischen Quallenforscher besucht. Andere Formen der Unsterblichkeit sind die Verknospung von Pflanzen und die mythologische Gestalt der Hydra, deren abgeschlagener Kopf mehrfach wieder nachwächst.

Der Offenbacher Fotograf Malte Sänger hat in den sozialen Medien Fotos von Flüchtlingen entdeckt, ihre Daten entschlüsselt und damit die Orte ermittelt, wo diese Fotos gemacht wurden. "Kommando Korn" von Anna Tiessen portraitiert die Jugend in einem schleswig-holsteinischen Dorf.

Gezeigt werden insgesamt 229 Motive. 98 Künstler von 40 Hochschulen und Instituten hatten ihre Arbeiten für den Wettbewerb eingereicht. Eine neunköpfige Fach-Jury ermittelte daraus die Gewinner. Die Ausstellung wird an diesem Freitag um 19 Uhr mit einer "Sommernacht der Fotografie" eröffnet.

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