"Jeder sollte sich selbst prüfen, ob er an Jesus glaubt"

Abendmahl in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen.

Foto: Johanna Daher

Abendmahl in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen.

"Jeder sollte sich selbst prüfen, ob er an Jesus glaubt"
Ein Besuch in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen
Großes Technik-Equipment, Online-Livestream und Kaffeemaschine zum Selbstbedienen: Was sich anhört wie die Ausstattung eines modernen Unternehmens, findet sich in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen. Reporterin Johanna Daher berichtet für die Serie "Was glaubt ihr? Evangelisch.de besucht Freikirchen" vom Gottesdienst mit Abendmahl.

Ein großes Gebäude mit einem blauen Aufzug an der Seite. Davor eine Fahne mit der Aufschrift: "Glauben". Im Innern dann viele Treppen und ein freundlicher Mann, der die Gäste begrüßt. "Herzlich willkommen in der Kirche des Nazareners. Der 9.30-Gottesdienst läuft noch. Waren Sie schon mal hier? Ich zeige Ihnen, wo sie lang müssen", sagt er.

Gebäude der Kirche des Nazareners in Gelnhausen.

Der Weg führt in das obere Geschoss, in dem um 11.15 Uhr der zweite Gottesdienst beginnt, einer dauert etwa 75 Minuten. "Wir haben dieses doppelte Angebot, um Raum zu schaffen und den Besuchern die Möglichkeit zu geben, früh oder spät zu kommen", erklärt Pastor Hans-Günter Mohn. Seine Gemeinde habe etwa 185 Mitglieder, mit Besuchern seien sonntags regelmäßig 210 Personen dort. Ab und an predigt auch ein weiterer Pastor, Heiko Schmidt, der aber sonst eher für das Organisatorische zuständig ist.

Der Gottesdienstsaal selbst ist hell erleuchtet und hat in der Mitte eine Bühne, auf der die Kanzel und die Instrumente der Band stehen. Rundherum wurden Stühle platziert. Was neben dem Bass, Schlagzeug, Keyboard und der Gitarre sofort auffällt: die Technik. Egal, wo man sich in dem Raum umschaut. Im hinteren Teil des Raumes befinden sich fünf Monitore, an denen die Techniker sitzen. Sie kümmern sich um den Ton und die Beleuchtung. "Das ist wirklich modern und ansprechend für junge Leute", findet Daniel Keßler, der jede vierte Woche als Techniker arbeitet.

Den Auftrag Jesu ausführen

Von der Decke hängen Kameras. "Wir übertragen den Gottesdienst im Internet als Livestream, damit kranke Gemeindemitglieder, aber auch Interessierte ihn verfolgen können", erklärt der Pastor. Ebenso gibt es einen Podcast, in dem die Predigten als Audiodatei gespeichert und archiviert werden. Hinter den Besuchern befinden sich weitere Bildschirme an der Wand, die den Liedtext für die Musiker anzeigen. Die anderen sehen die Lyrics an zwei Leinwänden, die sich in Richtung der Bühne befinden.

Daniel Keßler steuert die Technik während des Gottesdienstes in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen.

Punkt 11.15 Uhr beginnt der zweite Gottesdienst mit dem Lied "Lobpreis und Ehre", zu dem alle aufstehen. "Der Ablauf und die Musik sind bei uns wie in vielen Freikirchen", sagt Mohn, was bedeutet: Viele modernere Lieder mit Wortbeiträgen zwischendrin. Als erster geht Klaus-Dieter Maahs nach vorn, begrüßt die Besucher und nennt die Termine für die kommende Woche. Dann werden Kinder nach vorne gerufen und bekommen Preise. Das ist die Belohnung dafür, dass sie jede Woche im Kindergottesdienst einen Bibelvers auswendig gelernt haben.

Es folgen Lieder und ein Gebet, bei dem Personen nach vorne kommen können, um dort kniend zu beten. Einige machen das, der Großteil bleibt aber in den Stuhlreihen stehen. Pastor Mohn beendet die Zeit der Stille mit Gott, indem er laut betet.

Bevor die Predigt über eine Textstelle aus dem Epheserbrief beginnt – Kleingruppen haben unter der Woche die Worte des Paulus gelesen und in einem Heftchen notiert – kommt ein besonderer Gast auf die Bühne: Lola Brickey von der Nazarener Mission International gibt ein Interview. Denn die Mission ist ein zentrales Anliegen der Kirche des Nazareners. "Zwei Mal im Jahr sammeln wir ein großes Missionsopfer und geben es weiter", erklärt Pastor Mohn. Dabei handelt es sich nicht um kleine Geldbeträge, sondern um Summen im fünfstelligen Bereich pro Jahr. So setzt die Kirche sich ganz klare Ziele, die auch offen kommuniziert werden. Auf ihrer Homepage der Gemeinde in Gelnhausen heißt es: "Wir sind hier in Gelnhausen und im mittleren Kinzigtal, um den Auftrag Jesu auszuführen: "...machet zu Jüngern alle Völker" (Matthäus 28,19). Die Kirche gehört zu einem Missionswerk mit weltweit etwa 700 Missionaren. Deshalb appelliert Brickey an die Besucher: "Alleine können wir das nicht bezahlen, gemeinsam schon."

"Man kann einfach hier hinkommen und mit uns sprechen"

Nach der Predigt folgt das Abendmahl. "Niemand muss Mitglied der Gemeinde sein, um teilzunehmen, sondern jeder sollte sich selbst prüfen, ob er an Jesus glaubt", erklärt Pastor Hans-Günter Mohn. Nicht an jedem Sonntag findet es statt, sondern immer am ersten Sonntag in Monat mit der besonderen Ausnahme Ostern.

Diejenigen, die an dem Sakrament teilnehmen, stellen sich vor der Bühne im Halbkreis auf. Zwei Durchgänge gibt es, weil so viele Menschen da sind. Ausgewählte Gemeindemitglieder gehen mit silbernen Schalen durch die Reihe und verteilen passend zu den Worten des Predigers Brot und Traubensaft. Währenddessen betet Mohn, am Ende stimmen alle gemeinsam in das "Vater Unser" ein und singen danach stehend das Lied "Du bist".

Gottesdienst in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen.

Das Abendmahl schließt den Gottesdienst ab. Danach bleiben viele Gottesdienstbesucher zu Gesprächen und Kaffee in der Kirche. Ein extra hergerichteter, großer Raum mit Tischen, Stühlen und einem selbstbedienbaren Kaffeeautomaten befindet sich in einem der unteren Geschosse. Gleich am Eingang des Zimmers steht ein Tisch, auf dem "Kontaktpunkt" steht, dahinter Christine Langer. "Man kann einfach hier hinkommen und mit uns sprechen", erklärt sie. "Für viele ist es nicht leicht auf eine Person zuzugehen, wir stehen hier aber offen und gesprächsbereit."

Langer selbst ist durch eine Jugendgruppe zur Gemeinde gekommen, in der sie zum ersten Mal von der persönlichen Beziehung zu Gott gehört hat. "Ich kannte das aus meinem Elternhaus nicht. Und hier wurde das so authentisch gelebt", sagt sie. "Angefangen hat alles mit privaten Gottesdiensten in Kellern. Daraus ist dann diese Gemeinde hier in Gelnhausen entstanden. Und jetzt bin ich seit 14 Jahren dabei", erklärt Christine Langer. Während dieses Gesprächs am Kontaktpunkt stellt sich eine weitere Frau dazu und fasst ihren Eindruck der Gemeinde zusammen: "Das ist hier sehr familiär."

Infos zur Serie
Warum gibt es so viele evangelische Freikirchen in Deutschland? Wo kommen sie her, was glauben sie? evangelisch.de stellt in der Serie "Was glaubt ihr? evangelisch.de besucht Freikirchen" 16 Glaubensgemeinschaften vor.

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