Hilfe für schiefen Kirchturm in Nordthüringen

Hilfe für schiefen Kirchturm in Nordthüringen
Am schiefen Turm der einstigen Oberkirche im thüringischen Bad Frankenhausen haben am Donnerstag Arbeiten zur Stabilisierung begonnen. Ein Stahlgerüst soll das Einstürzen des 56 Meter hohen Kirchturms verhindern, der an der Spitze rund 4,60 Meter vom Lot abweicht.

Die Neigung ist größer als die des Schiefen Turms von Pisa mit einer Abweichung von 4,07 Metern. Damit gilt der Turm in Nordthüringen als der höchste schiefe Kirchturm in Deutschland.

Ursache der außergewöhnlichen Turmneigung sind Hohlräume im Bauuntergrund. Nachdem die mitteldeutsche Landeskirche als Eigentümerin wegen unkalkulierbarer Kosten für eine Stabilisierung den Turm schließlich abreißen wollte, wurde das Bauwerk Ende 2011 von der Kommune für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro übernommen. Die gegenwärtigen Arbeiten für insgesamt rund 1,1 Millionen Euro sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

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Erste Schrägstellungen am Turm der 1382 fertiggestellten "Kirche Unserer Lieben Frauen am Berge" wurden bereits um 1640 registriert. Mit der 2003 gemessenen Schieflage von 4,22 Metern aus dem Lot hatte sich die Neigung gegenüber 1920 fast verdoppelt. Wegen der Gefährdung des Kirchenschiffes wurde dessen Dach bereits 1961/62 abgetragen. Seither erinnern nur noch Außenmauern an den Kirchenraum.