Zwischen «Luther-Sound» und Alltagsdeutsch

epd-bild/Sascha Willms

Die neue Lutherbibel nahm für den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland als Herausgeber Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm entgegen.

Zwischen «Luther-Sound» und Alltagsdeutsch
EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm: Neue Lutherbibel ist «ein Buch für alle Menschen»
«Revision 2017» heißt die neue Lutherbibel, die zum Jubiläum 500 Jahre Reformation der verbindliche Bibeltext für die evangelischen Kirchen werden soll. Vorerst gibt es sie nur als Computerausdruck. Die Buchausgabe ist für Oktober 2016 geplant.

Eisenach (epd)Zurück zu den Wurzeln: Nach fünfjähriger Arbeit haben Theologen und Sprachwissenschaftler am Mittwochabend auf der Wartburg eine neue Fassung der Lutherbibel vorgelegt. Bei der Festveranstaltung nahm für den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Herausgeber der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm das Manuskript der jüngsten Revision von Martin Luthers Bibelübersetzung entgegen. Die Durchsicht der Fassung von 1984 wurde von einem Lenkungsgremium unter Leitung des Thüringer Altbischofs Christoph Kähler koordiniert.

"Es war eine unglaublich intensive Arbeit", sagte Kähler bei der feierlichen Übergabe im Festsaal der Burg, auf der Martin Luther 1521 während seiner Schutzhaft nach dem Reichstag von Worms mit dem Neuen Testament seine Bibelübersetzungen begann. In der Arbeit an seinen Texten und späteren Revisionen in den vergangenen fünf Jahren hätten die beteiligten 70 Fachleute in einem aufwendigen Abstimmungsverfahren stets eine einheitliche Handschrift angestrebt, was jedoch "nicht immer erreichbar" gewesen sei.

"Identitätstext der evangelischen Kirchen"

Das Ergebnis sei genauer aus die bisherige Textfassung. An vielen Stellen seien die Fachleute wieder zu Formulierungen der Wittenberger Reformatoren zurückgekehrt, "weil sie philologisch zutreffend und verständlich waren". Allein im Neuen Testament sei fast die Hälfte aller Bibelverse verändert worden, berichtete Kähler.

Die Hamburger Theologieprofessorin Christine Gerber beschrieb die Arbeit an der "Revision 2017" Bibeltext als ständigen Spagat zwischen dem "Luther-Sound" und dem Alltagsdeutsch. Dabei sei für jede Änderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Beteiligten erforderlich gewesen. Angesichts dieser strengen Vorgaben hätten manche der Fachleute "manchmal gern ein Tintenfass auf den Lenkungsausschuss geworfen", sagte die Professorin für Neues Testament.

Gleichwohl sei die entstandene Fassung als "Identitätstext der evangelischen Kirchen in Deutschland" gegenüber der letzten Revision "eine große Verbesserung". Sie müsse sich nunmehr auch vor dem Hintergrund eines umfassenden Traditionsabbruchs behaupten. Ratsvorsitzender Bedford-Strohm sagte, die beteiligten Wissenschaftler hätten mit ihrer individuellen Arbeit sowie den 94 Gruppentreffen und 40 Sitzungen des Lenkungsausschusses "Geschichte geschrieben".

Fester Bestandteil der deutschen Sprache

Die neue Bibel sei kein Buch für die EKD, "sondern für alle Menschen, die mit der Lutherbibel aufgewachsen sind und denen ihre Worte Orientierung und Kraft geben". Darüber hinaus sei die Bibel ein fester Bestandteil der deutschen Sprache. "Aus dem Manuskript muss jetzt das Buch werden", sagte der Ratsvorsitzende und übergab die in Buchform gebundenen 1.100 Blatt des Computerausdrucks an die Deutsche Bibelgesellschaft.

Deren Generalsekretär Christoph Rösel erinnerte an den Beitrag und die Bedeutung der Bibelgesellschaften für die Verbreitung der unterschiedlichen Bibelausgaben. Die "Revision 2017" soll zum Auftakt des 500. Reformationsjubiläums im Oktober nächsten Jahres vorliegen. Zur offiziellen Einführung sind ein Gottesdienst in Eisenach und ein Festakt in Berlin geplant.

Die Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen Martin Luthers und seiner Mitarbeiter. Das auf der Wartburg übersetzte Neue Testament erschien im September 1522. In den Folgejahren wurden kontinuierlich weitere biblische Bücher übersetzt, bis im Jahr 1534 die erste gedruckte Gesamtausgabe vorlag. Revisionen des Luthertextes erschienen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.