Käßmann zu "Luther 2017": Jubiläum ohne Streit wäre langweilig

Käßmann zu "Luther 2017": Jubiläum ohne Streit wäre langweilig
Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hält die Debatte in Kirche und Wissenschaft um das Lutherjubiläum 2017 für fruchtbar.

"Ich finde ein Jubiläum furchtbar langweilig, bei dem es keinen Streit gibt", sagte die Theologin am Donnerstag bei der Tagung "Jour fixe mit Luther 2014" in Berlin. Das aktuelle Ringen um die Einordnung der Reformation zeige, dass das Geschehen vor 500 Jahren noch heute eine Bedeutung habe.

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Die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum warnte davor, "Luther weichzuspülen". Sie erkenne derzeit in der EKD ein gewisses Harmoniebedürfnis im Abstimmungsprozess in der Kirche und Ökumene. Führende Vertreter der katholischen Kirche haben sich bisher nur für ein "Reformationsgedenken" im Jahr 2017 ausgesprochen.

Die geplanten Feiern in drei Jahren haben nach Käßmanns Einschätzung eine historische Dimension. Es sei das erste Reformationsjubiläum nach dem Holocaust. Daher finde jetzt auch eine stärkere Auseinandersetzung mit den judenfeindlichen Äußerungen des Reformators Martin Luther statt. "Das war vor 100 Jahren undenkbar", sagte Käßmann.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, erwartet zum Reformationsjubiläum eine Auseinandersetzung um die unterschiedlichen Deutungsgeschichten. "Wir wollen dankbar diese Pluralität annehmen", sagte Krüger. "Wer über Erinnerung redet, der redet zu allererst über seine Gegenwart."

Bundesregierung bewilligt weitere 7,6 Millionen Euro für Vorbereitung

Die Bundesregierung gab bekannt, dass weitere 7,6 Millionen Euro zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 bewilligt worden seien. Nach Angaben von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sollen 21 Projekte eine Förderung erhalten. Die Kulturstaatsministerin gibt nach eigenen Angaben bis 2017 insgesamt 42 Millionen Euro für Vorhaben rund um das 500. Reformationsjubiläum in drei Jahren aus.

Ein möglicher Regierungswechsel in Thüringen hat nach Einschätzung der staatlichen Geschäftsstelle "Luther 2017" keine Auswirkungen auf die Unterstützung des Reformationsjubiläums. Er rechne mit Kontinuität, sagte Geschäftsführer Stefan Zowislo am Donnerstag in Berlin. Zowislo wies darauf hin, dass der Kandidat eines rot-rot-grünen Bündnisses für das Amt des Regierungschefs, Bodo Ramelow (Linke), evangelischer Christ sei. Die staatliche Geschäftsstelle "Luther 2017" wird getragen von den Ländern Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie von der Bundesregierung.