Die Kraft der Heilpflanzen - Medizinwissen aus der Bibel

In der Bibel werden mehr als hundert Pflanzenarten erwähnt. Einige Pflanzen wie etwa der Weinstock werden in Gleichnissen verwendet. Sie erzählen aber auch von den Lebensumstände und der Kultur der Menschen im biblischen Israel: Was die Menschen gegessen und wie sie Ackerbau betrieben haben – und auch, was sie von der Heilkunst verstanden.

Die Bibel steckt voller medizinischer Weisheiten. So stößt man im Buch Jesaja auf ein Heilmittel gegen Geschwüre: "Und Jesaja sprach, man solle ein Pflaster von Feigen nehmen und auf sein Geschwür legen, dass er gesund würde." (Jesaja 38, 21). Die Feige gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und hat eine antibakterielle und wurmtreibende Wirkung, so dass sie die Wundheilung durchaus beschleunigen kann.

Nahrungsmittel und Heilpflanze zugleich

Neben der Feige gehörte auch die Olive zu den Grundnahrungsmitteln. Die Ölfrucht symbolisierte zudem  zusammen mit dem Feigenbaum und dem Rebstock Wohlstand. So wurde das Olivenöl versetzt mit anderen Bestandteilen wie Zimt und Myrrhe und für Salbungen von Königen, Priestern und Propheten verwendet. Aber auch als Heilpflanze wurde die Olive genutzt, denn Olivenöl hat eine entzündungshemmende und stärkende Wirkung und wurde deswegen traditionell bei Hautverletzungen angewendet: "Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunde, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind" heißt es im Buch Jesaja (Jesaja 1, 6) . Auch der barmherzige Samariter behandelt die Wunden des Verletzten mit Öl und Wein, bevor er sie verbindet.

Wein wurde jedoch nicht nur als Heilmittel für die äußere Anwendung genutzt. Dass Wein vor bakteriell bedingten Magen-Darmerkrankungen schützt, war auch schon Paulus bekannt: "Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist" schreibt er im ersten Brief an Timotheus (1. Timotheus 5, 23). Heute ist bekannt, dass ein Glas Wein am Tag auch das Risiko für Herzerkrankungen senken kann. Wein wurde früher auch oft mit anderen Heilkräutern vermischt. Diese lösten sich im Wein und wurden schneller resorbiert.

Das bekannteste Beispiel aus der Bibel ist sicherlich der mit Myrrhe gewürzte Wein, der Jesus bei seiner Kreuzigung gereicht wurde, um seine Schmerzen zu lindern. Myrrhe hat nicht nur eine desinfizierende und schleimlösende Wirkung, sondern wirkt auch entzündungshemmend und fiebersenkend. Heute wird Myrrhe vorwiegend in der Zahnpflege verwendet oder als Tinktur bei Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut.

Bibelpflanzen in der Kostermedizin

Auch Wermut ist eine Heilpflanze aus der Bibel. "Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Gift tränken" heißt es bei Jeremia (Jeremia 23, 15). Das Kraut wurde aufgrund seiner Bitterstoffe oft mit Unrecht und Strafe in Verbindung gebracht. Gerade diese Bitterstoffen helfen allerdings bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Hildegard von Bingen kannte ebenfalls die Heilwirkung von Wermut. Sie empfahl eine Wermutkur von Mai bis Oktober, um die Verdauung anzuregen und das Immunsystem zu stärken. In der Klostermedizin fanden auch andere Heilkräuter aus der Bibel wie Kümmel, Knoblauch, Brennessel und Lorbeer Verwendung. Selbst heute noch sind viele Heilpflanzen aus der Bibel wichtiger Bestandteil in der modernen Naturheilkunde oder werden von der Wellnessindustrie vermarktet. So ist Aloe Vera heutzutage nicht nur in Cremes und Getränken zu finden sondern sogar in Kaugummis.


Franziska Fink arbeitet als freie Journalistin für evangelisch.de.