Sonderkasse in Herford ein "einmaliger Fall"

Sonderkasse in Herford ein "einmaliger Fall"
Die Millionenkasse im Kirchenkreis Herford ist nach Angaben des westfälischen Präses Alfred Buß ein einmaliger Fall: "Wir haben sofort in allen anderen Kirchenkreisen genau überprüft, ob die Rücklagen und Vermögenswerte transparent und ordnungsgemäß geführt werden."
04.02.2011
Von Holger Spierig

Das klare Ergebnis sei, dass es in keinem der 30 anderen Kirchenkreise ein geheimes Sondervermögen gebe, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen in einem epd-Gespräch in Bielefeld.  "Herford ist also ein einmaliger Fall", so Buß.

Der Präses sieht den Kirchenkreis Herford nach der Offenlegung des Vermögens vor einem Neuanfang. "Klarheit und Transparenz müssen jetzt das Feld beherrschen", mahnte er. Ausdrücklich würdigte Buß das Vorgehen des Herforder Superintendenten Michael Krause, der das Vermögen öffentlich machte. Auch der Kreissynodalvorstand habe sich seiner Verantwortung gestellt und um Entschuldigung gebeten.

Buß hob im epd-Gespräch zudem die Notwendigkeit einer unabhängigen Finanzprüfung hervor. Mit der seit 2008 für die gesamte Landeskirche eingeführten Gemeinsamen Rechnungsprüfung sei ein Instrument geschaffen worden, das sich jetzt bewähre.

Kreissynodalvorstand trat zurück

Die Kreissynode Herford wollte am Freitagabend ihre Beratungen über das geheime Millionenvermögen fortsetzen. Die Sitzung war am vergangenen Samstag wegen eines Todesfalls unter den Besuchern vertagt worden. Die Leitung des Kirchenkreises, der Kreissynodalvorstand, trat fast geschlossen zurück. Lediglich Superintendent Krause bleibt im Amt.

Der geheime Fonds war 1967 vom damaligen Kreissynodalvorstand als "Sparbuch" für schlechte Zeiten an den Gremien des Kirchenkreises vorbei aufgebaut worden. Die aus Kirchensteuern eingerichtete Kasse wuchs von ursprünglich 1,5 Millionen D-Mark auf heute rund 49,5 Millionen Euro an. Die westfälische Kirche hat Disziplinarverfahren gegen zwei frühere Superintendenten eröffnet. Weitere Verfahren sind nach Angaben des Landeskirchenamtes geplant.

epd