Ein Feuerwerk gehört an Silvester dazu

Ein Feuerwerk gehört an Silvester dazu
Es gibt sicher gute Gründe gegen ein Silvesterfeuerwerk. Dennoch sollte man nicht alte Traditionen über Bord werfen. Lebensfreude muss erlaubt sein - in Maßen.

Feuerwerk macht Spaß. Kinder haben Freude daran, mit Böllern kleine Schneemänner zu sprengen und es krachen zu lassen. Und Erwachsene entdecken an Silvester das Kind in sich, toben ebenfalls durch den Schnee und zünden Raketen, dass es nur so kracht und leuchtet. Das ist Lebensfreude pur und zu einer freien Gesellschaft wie der unseren gehört, dass man den Menschen die Möglichkeit gibt, diese Lebensfreude zu entfalten. Silvester ohne Feuerwerk wäre für viele wohl nicht dasselbe. Es wäre freudloser und trauriger. Es gibt gute Gründe, an Traditionen, die sinnstiftend sind und das Gemeinschaftsgefühl stärken, festzuhalten. Ein Feuerwerk an Silvester ist eine solche Tradition.

Und doch gibt es gute Gründe, die gegen Feuerwerke sprechen. Sie schädigen das Gehör, immer wieder gibt es tragische Unfälle bei denen Menschen, vor allem Kinder, Gliedmaßen oder das Augenlicht verlieren. In armen Ländern der Welt werden viele Feuerwerkskörper unter schlimmen Bedingungen produziert. Kann man es fröhlich krachen lassen, wenn man weiß, das Kindern in Indien die Schulbildung versagt wird, weil sie Böller produzieren müssen und dabei gesundheitlich Schaden nehmen? Und sind die rund 110 Millionen Euro, die Deutsche für Feuerwerkskörper an Silvester ausgeben, nicht tatsächlich an anderer Stelle besser eingesetzt? Etwa in der Entwicklungshilfe?

Verpuffender Knall und Lichtblitz

Vielleicht kann man das eine tun, ohne das andere zu lassen. Zum Konsum gehört auch Lust und nicht alles, was Lust und Freude bereitet, ist unter rationalen Aspekten sinnvoll und gut. Aus ethischer Sicht oft sogar schlecht. Deutsche setzen pro Jahr etwa 1,5 Milliarden Euro mit Tonträgern um. Eine Aktion "Brot statt Bohlen" hätte vielleicht ebenfalls eine Berechtigung, obschon ein Tonträger ein wesentlich dauerhafteres Vergnügen ist als ein schnell verpuffender Knall oder Lichtblitz.

Wie immer entscheidet wohl die Dosis darüber, ob etwas "giftig" oder "heilsam" ist. Wer einen rein hedonistischen Lebensstil führt, nur an sich und sein Vergnügen denkt, der begeht einen Fehler. Er beraubt sich auch der Freude, die das Geben bedeuten kann. Wer sich Freuden wie Feuerwerken, Volkfesten oder Kulturveranstaltungen entzieht, weil das Geld vielleicht "sinnvoller" eingesetzt werden könnte, der beraubt sich der Freude am Leben. Er beraubt sich vielleicht auch einer positiven Ausstrahlung, die andere bereichern würde. Wer glaubt, allein mit Spenden oder sogenanntem guten Konsum könnte er die Welt zum besseren wenden, irrt ohnehin. Die Ursachen der Probleme der ungerechten Verteilung weltweit liegen zu tief.

Siegen lernen

Aber warum nicht dennoch Verzicht üben? Muss man selbst lauter Böller kaufen? Kann man nicht tatsächlich auf einen Teil verzichten und den anderen spenden? Oder könnte man sich nicht mit den Nachbarn zusammentun und ein gemeinsames Feuerwerk veranstalten, dass insgesamt weniger kostet aber doch schöner ist, als wenn jeder für sich böllert? Oder eine andere Idee: In Siegen veranstaltet ein Radiosender in diesem Jahr ein Großfeuerwerk. Dieses Profiwerk ist voraussichtlich schöner anzusehen als das einzelne Raketenleuchten, dass bundesweit veranstaltet wird. Warum nicht einen Sponsor suchen, der ein solches Großfeuerwerk in der eigenen Gemeinde veranstaltet! Dann bleibt auch Geld zum Spenden übrig.


Henrik Schmitz ist Redakteur bei evangelisch.de

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