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Glaube und Theologie
Lieber Herr Muchlinsky,
gerade eben habe ich folgendes in einer Antwort von Ihnen gelesen (aus 2017):
Ja, wir wissen es nicht, ob wir ins Himmelreich kommen oder nicht. Wir können uns nicht sicher sein, und wir sollen uns auch nicht sicher sein, denn das würde uns träge und selbstgerecht machen. Es würde uns aufblähen wie alle, die sich allzu sicher sind, auf der richtigen Seite zu stehen.
Ich muss sagen, da bin ich gerade sehr erschrocken. Wenn man an die Vergebung der Schuld durch Jesus glaubt, ist man doch im Himmel dabei! Das sagt Jesus ja sogar selbst. Da kann ich mir doch sicher sein, dass ich in den Himmel komme!
Vielleicht habe ich da auch etwas missverstanden. Aber der Text oben von Ihnen macht mich schon traurig jetzt.
Danke für Ihre Antwort.
Herzliche Grüße
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
zunächst einmal vielen Dank an Sie und Ihre KollegInnen für die Pflege diese Forums und die Beantwortung der vielen Fragen. Es ist beruhigend zu lesen, wie viele Menschen doch ähnliche Fragen in allen möglichen Bereichen haben wie man selbst, und dazu schon gleich Antworten zu finden.
Folgende Frage hat sich aber bei mir kürzlich ergeben, als ich aufgrund eines Bibelleseplans auf den Jakobusbrief (genau: Jak 2,14-26 ) gestoßen bin, in dem eine Nachfolge in Form guter Werke gefordert wird.
Diese Stelle bereitet mir doch einige Fragen.
Bisher vertraue ich auf doch sehr auf die Gerechtigkeit, die mir Gott aufgrund des Glaubens und seiner Gnade schenkt. Im Jakobusbrief werden doch sehr die guten Werke eines Christen gefordert. Ist das ein Widerspruch? Was erwartet Gott von mir?
Ich habe nach dem Lesen dieses Textes zu diesem recherchiert und nach Antworten gesucht. Für mich als Laien ergab sich da aber noch keine klare Lösung.
Bei der Recherche erfuhr ich, dass wohl auch schon Martin Luther Probleme mit dem Jakobusbrief hatte, da er gerade den Zuspruch der Gnade aufgrund des Glaubens, wie es in den Paulusbriefen steht, betonte.
Andere Reformatoren hatten wohl nicht so große Probleme damit. Auch scheinen heute Theologen beides eher als Ergänzung anstelle eines Widerspruches zu sehen. Dabei habe ich aber immer noch so einige Probleme:
Mir ist klar, dass sich aus einem wahren Glauben, zu dem auch die Nächstenliebe gehört, auch die gute Werke selbst ergeben. Aber wie weit geht das? Wann kann man sagen, dass man glaubt und diesen Glauben auch lebt?
Wenn ich in meinen Alltag, mein Familien- und Freundesleben, meinem Beruf usw. lebe, sollte ich dann in diesem Umfeld versuchen, die Nachfolge mit der Nächstenliebe zu leben? Oder ruhe ich mich da doch zu sehr aus?
Sollte ich stattdessen mein Leben vollkommen umkrempeln wie die Jünger Jesu oder wie viele Heilige, ursprünglich auch Martin Luther oder andere Menschen (auch heute), die ihr Leben ganz ihrem Glauben und den daraus folgenden guten Werken für ihre Nächsten widmen, indem sie z.B. für Menschen in Not arbeiten? (Bei einigen ging/geht das ja sogar soweit, dass sie dabei sogar ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt haben/setzen, wie Jesus selbst.)
Aber auch im alltäglichen Leben, bekommt man immer wieder mit, wo auch im täglichen Umfeld unterschiedlich großer Hilfsbedarf bei Menschen, die man mehr oder weniger kennt, besteht. Auch dieser nimmt ja oft kein Ende. Daraus ergibt sich andauernd die Frage: Wo und wie kann und sollte ich noch meinem Nächsten helfen? Kann es überhaupt eine „Grenze“ geben um zu sagen: „Jetzt habe ich genug getan.“ Kann man überhaupt irgendwann sagen: "Jetzt habe ich meinen Glauben wirklich gelebt."
Bei meinen Recherchen zur Frage zu Glauben, Gnade und Nachfolge in Werken stieß ich auch auf Dietrich Bonhoeffers Unterscheidung zwischen „billiger“ und „teurer Gnade“. (Dies zu verstehen wurde für mich als Laien schon ziemlich schwer.) Für mich wirkte dies so, dass auch er wohl meinte, dass sich ein Christ nicht einfach auf die Gnade Gottes verlassen solle, sondern dass von einem Christen schon mehr erwartet wird.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir bei diesen Fragen etwas helfen könnten.
Vielen Dank!
Jan
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
Im Schreiben "Für uns gestorben. Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi", einem Grundlagentext des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, heißt es auf Seite 114:
"In der jüngeren evangelischen Theologie hat sich zunehmend die Vorstellung durchgesetzt, dass Gott durch Gericht und Verwandlung hindurch am Ende keinen Menschen vom Heil ausschließen werde."
Es wird also postuliert, es gäbe keine Bedingung für die Erlangung des ewigen Lebens. Meine Frage ist nun, ob dies die offizielle Meinung der evangelischen Kirche in Deutschland ist. Meiner Meinung nach steht diese Postulation nämlich nicht nur im Widerspruch zum Augsburger Bekenntnis, das den Glauben als heilsnotwendig bezeichnet, sondern auch zu mehreren Bibelstellen. Zwei davon seien hier genannt:
"Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, dass sie hineinkommen, und werden's nicht können." (Lukas 13, 24)
"Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden." (Markus 16, 16).
Ich persönlich kann nicht erkennen, wie diese Bibelstellen mit der Allversöhnungslehre vereinbar sind. Daher würde ich mich freuen, wenn sie mich was dies betrifft erleuchten könnten und mir sagen, was die offizielle Meinung der EKD zu der Frage ist, wer errettet wird.
Mit freundlichen Grüßen!
Nikola Vuletic