Präses Heinrich: Aus Fehlschlägen keine Leistung machen

Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich.
epd-bild/Jens Schulze
Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, spricht sich für mehr Fehlerfreundlichkeit aus.
"Fuck-Up-Night" der Kirche
Präses Heinrich: Aus Fehlschlägen keine Leistung machen
Ein Kneipengottesdienst, zu dem Senioren statt junge Erwachsene kommen, oder ein versemmelter Förderantrag: Menschen aus der evangelischen Kirche haben bei einer sogenannten "Fuck-Up-Night" erzählt, was bei ihnen schon mal schiefgegangen ist.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, spricht sich für mehr Fehlerfreundlichkeit aus. Ihr helfe der Glaube, "weil ich mir Gottes Liebe nicht verdienen muss", sagte Heinrich am Samstagabend bei einer sogenannten "Fuck-Up-Night" in Fürth. Sie müsse aus Fehlschlägen auch keine Leistung machen.

Organisiert wurde der Abend übers Scheitern und Weitermachen von der "Wirkstatt evangelisch" der Landeskirche, die als Servicestelle für Gemeinden und kirchliche Einrichtungen aktiv ist. Von seinem Kneipengottesdienst in Schwabach erzählte Pfarrer Michael Käser. Der Plan sei gewesen, jungen Erwachsenen "einen schönen Ort für echte Gemeinschaft" zu bieten.

Als sogenanntes MUT-Projekt wurde der Kneipengottesdienst von der evangelischen Landeskirche gefördert. 20.000 Euro und zwei Jahre später müsse man sagen: "Das hat nicht geklappt." Die Teilnehmendenzahlen hätten sich zwar nach Startschwierigkeiten stabilisiert, aber das anvisierte jüngere Publikum habe man mit dem Angebot nicht erreicht. Es gehe weiter, "es macht Spaß, aber am Ende sind wir gescheitert", so Käser.

Theologin: Geschichten müssen erzählt werden

"Wir müssen und dürfen diese Geschichten erzählen", sagte die Theologin Bettina Becker von der "Villa Wertvoll" für Kinder und Jugendliche in Magdeburg. Im Team gebe es eine monatliche Runde, bei der alle ihre aktuellen "Fuck-Ups" austauschen, wie das Bestellen von Druckern, die gar nicht existieren, oder das Verpassen von Abgabefristen für Anträge. Es lohne sich, darüber zu reden, weil man etwas daraus lernen könne und es zeige, dass niemand perfekt ist.

Doch es gebe auch die großen Katastrophen, wie das Zerbrechen von Freundschaften im Team oder wenn man Menschen nicht helfen konnte. "Für diese Scherben brauchen wir eine neue Kultur. Und zwar eine Kultur der Gnade, wo ich gleichzeitig Verantwortung übernehmen kann, mich verletzlich zeige und Menschen es mit mir aushalten." Becker hoffe, dass Kirche dieser Ort sei, "wo ich einfach mit meinen Scherben sein kann".