TV-Tipp: "Neues Land"

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26. Oktober, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Neues Land"
Die Grundzüge von "Neues Land" ähneln der von ARD und ZDF gern verwendete Heimkehr-Erzählung, aber das Drehbuch wurde interessant variiert... Sehenswert ist der Film vor allem wegen Jörg Schüttauf und Jördis Triebel, die den Vater/Tochter-Konflikt fast schon unangenehm gut vermitteln.

Einige Handlungsmotive sind mittlerweile derart abgenutzt, dass sie in die Mottenkiste gehören. Dazu zählt auch die in vielen romantischen Dramen von ARD und ZDF gern verwendete Heimkehr-Erzählung. Meist sind es Frauen um die vierzig, die nach vielen Jahren in das Dorf oder die Kleinstadt ihrer Kindheit und Jugend zurückkehren. Nach einem tragischen Ereignis, das sie bis heute belastet, haben sie den Ort verlassen, um anderswo, meist vergeblich, ihr Glück zu suchen.

Bei der Rückkehr laufen sie unweigerlich ihrer Jugendliebe über den Weg, und prompt sind wie auf Knopfdruck die alten Gefühle wieder da. Nun könnten die Dinge ihren Lauf nehmen, aber zunächst muss das Trauma bewältigt werden. Die Grundzüge von "Neues Land" sind ähnlich, aber das Drehbuch (Khyana el Bitar, Dörte Franke) hat sie interessant variiert: Eigentlich ist Ina Sedlitz (Jördis Triebel) nur auf der Durchreise, um ein notarielles Dokument zu unterzeichnen; ihr Vater (Jörg Schüttauf) hat sie gebeten, auf ihr Erbteil zu verzichten.

Walter ist Bürgermeister von Neukirch, er hat den Ort im mitteldeutschen Tagebaugebiet dank der Flutung eines sogenannten Restlochs sowie diverser Förderungen in ein Tourismusziel umgewandelt und das "Seehotel Sedlitz" gebaut, das er nun zur Hälfte seiner Enkelin (Lucy Gartner) überschreibt. Damit wäre die Sache erledigt, aber Ina ist Geologin und stößt auf einige Ungereimtheiten. Mara, die das Hotel vor allem für jüngere Gäste attraktiver machen will, bittet sie um eine eingehende Untersuchung der Wasserqualität.

Tatsächlich offenbart die Analyse der Proben bedenkliche Werte. Außerdem drohen wegen des niedrigen Wasserstands – der Grundwasserpegel ist im Zuge des Bergbaus erheblich gesunken – Abrutschungen, deshalb sind einige Uferbereiche Sperrgebiet. In der Geschichte kommt jedoch nicht nur die Erde ins Rutschen: Die geologischen Details sind bloß der Rahmen für ein düsteres Familiengeheimnis. Mara ist in der Obhut ihres Vaters (Ronald Zehrfeld) aufgewachsen. Tom war einst zwar mit Ina liiert, hat aber mit deren Schwester ein Kind gezeugt.

Kurz nach der Geburt ist Denise spurlos verschwunden; später hat sie ihrer Tochter Postkarten aus aller Herren Länder geschickt. Auch Ina hat Neukirch damals verlassen und ist nun zum ersten Mal wieder da. Mara kannte ihre Tante bislang nur vom Hörensagen; die beiden verstehen sich auf Anhieb prima. Ina überlässt der Nichte eine Erinnerungskiste aus einem Versteck im Kleiderschrank der Schwester. Mara, eine begabte Köchin, freut sich vor allem über das Rezeptbuch ihrer Mutter; bis sie auf ein Detail stößt, das erhebliche Fragen aufwirft.

Sehenswert ist "Neues Land" vor allem wegen Jörg Schüttauf und Jördis Triebel, die den Vater/Tochter-Konflikt fast schon unangenehm gut vermitteln. Während sie ihre Rolle mit Ausnahme einer ausgelassenen Tanzszene weitgehend stoisch verkörpert, darf er ein breites Spektrum bespielen: Walter ist ein getreu der unausgesprochenen Devise "Tricksen, tarnen, täuschen" mit allen Wassern des Restlochsees gewaschener Lokalpolitiker. Inas Gutachten kommt ihm denkbar ungelegen, und selbstverständlich erwartet er, dass sie die Zahlen entschärft; letztlich ist es dieser Konflikt, der zur Folge hat, dass auch die alte Geschichte wieder zum Vorschein kommt.

Relevanz kriegt "Neues Land" vor allem durch die aktuellen Bezüge. Auf die Jugendlichen üben die Sperrzonen damals wie heute naturgemäß einen besonderen Reiz aus; hier ist das Baden strengstens verboten. Das ist keineswegs eine Erfindung des Films; in der Vergangenheit sind bereits ganze Häuser an instabilen Ufern in die Tiefe gezogen worden. Auch deshalb warnt Ina ihren Vater, dass eine neuerliche Flutung zur Katastrophe führen könnte.

Bürgermeister Walter wiederum ist zwar ein notorischer Abwiegler ("Wir finden schon eine Lösung"), aber den Riss in der Fassade seines Hotels kann auch er nicht ignorieren: Der Boden ist in Bewegung. Hinzu kommen die immer noch nicht verheilten Wunden der Wiedervereinigung. Auch in diesem Film fällt der Satz "Und dann kam die Wende": Die Menschen, sagt Walter, "haben sich zu oft neu erfinden müssen"; jetzt hätten sie keine Kraft mehr. Neben den Auseinandersetzungen zwischen Vater und Tochter lebt der Film (Regie: Esther Rauch) vor allem von der Frage, was vor zwanzig Jahren passiert ist und warum Ina, die wiederholt sehr geschickt als Fenster in die Vergangenheit inszenierte Visionen ihrer Schwester hat, bis heute unter einem Trauma leidet. Das Geschrei von Tante und Nichte am Ende ist allerdings ein bisschen peinlich.