Berlin (epd). Düstere Aussichten kurz vor der Weltklimakonferenz: Die bisherigen Klimaschutzpläne der Staaten weltweit reichen nach Einschätzung der Vereinten Nationen nicht aus, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Beim Festhalten am derzeitigen Kurs drohten bis zu 2,8 Grad Erderwärmung noch in diesem Jahrhundert, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Bericht des UN-Umweltprogramms Unep. Damit würde die international vereinbarte Marke von 1,5 Grad Celsius weit überschritten, es drohten verheerende Folgen. Opposition und Umweltverbände forderten angesichts der Prognose verstärkte Anstrengungen beim Klimaschutz vonseiten der Bundesregierung.
Selbst wenn die von den Staaten vorgelegten nationalen Klimaschutzbeiträge, die sogenannten „Nationally Determined Contributions“ (NDCs), vollständig umgesetzt würden, würde die Temperatur den Annahmen zufolge um bis zu 2,6 Grad steigen. Die Prognose habe sich im Vergleich zum vergangenen Jahr unter anderem wegen des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen noch verschlechtert, erklärte das Unep mit Sitz in Nairobi.
„Alle Register ziehen“
Um die Welt wieder auf Kurs zu bringen, sich dem 2015 in Paris vereinbarten Ziel anzunähern, müsse der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase dringend und streng gesenkt werden. Konkret fordert der „Emissions Gap Report 2026“, dazu die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent zu reduzieren - jeweils im Vergleich zum Niveau von 2025.
Unep-Exekutivdirektorin Inger Andersen mahnte: „Wir müssen alle Register ziehen.“ Jedes zusätzliche Bruchteil eines Grads und jedes weitere Jahr der Erwärmung über der 1,5-Grad-Marke verstärke Folgen wie tödliche Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände.
Unep-Bericht sendet „klares Signal“ auch an Deutschland
Das Bundesumweltministerium wertete den Bericht als „klares Signal“ auch an Deutschland, seine Emissionen zu senken. „Mit seinem Klimaschutzprogramm für 2030 und der Roadmap zur Abkehr von fossilen Energieträgern hat Deutschland einen Fahrplan, wie wir hier die Emissionsminderung vorantreiben“, betonte Ministeriumssprecher Stephan Haufe.
Stimmen aus Umweltverbänden und Opposition kritisierten die deutsche Klimapolitik jedoch als unzureichend. „Statt endlich Klimaschutz voranzutreiben, blockiert diese Bundesregierung den Klimaschutz, wo sie nur kann“, kritisierte der klimapolitische Sprecher der Links-Fraktion, Fabian Fahl. Die Regierung bremse bei den Erneuerbaren und verschiebe das Verbrenner-Aus, kritisierte er. „Kurzfristige Profite für fossile Branchen, die ihre Transformation verschlafen haben, sind der Regierung offenbar wichtiger als unsere Zukunft.“
Greenpeace: Merz muss seinen Kurs korrigieren
Bei der anstehenden Weltklimakonferenz in der Türkei müssten Deutschland und die EU „den fossilen Lobbyinteressen entschlossen entgegenhalten“, forderte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser mit Blick auf den Bericht. „Bundeskanzler Merz muss jetzt seinen Kurs radikal korrigieren, statt Klimaschutz in Deutschland und der EU zu bremsen“, forderte Kaiser.
Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch sprach angesichts der UN-Prognosen von bis zu 2,8 Grad Erwärmung von einer „Horror-Nachricht“ und forderte von der Bundesregierung mehr Investitionen in saubere Technologien. Die Produktion von Wärmepumpen und Elektroautos müsse in Deutschland gestärkt und der Umstieg auf E-Mobilität weiter vorangetrieben werden, forderte Audretsch in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“.
Die 31. Weltklimakonferenz COP31 findet vom 9. bis 20. November in Antalya statt.




