TV-Tipp: "Nord Nord Mord: Sievers und der Gesang der Wale"

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5. Oktober, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Nord Nord Mord: Sievers und der Gesang der Wale"
"Sievers und der Gesang der Wale", Fall Nummer 29 für Hinnerk Feldmann und Ina Behrendsen beginnt mit einem eleganten Kameraflug über den Hafen. Wie an jedem Morgen will ein Fischer namens Fischer mit seinem Kutter aufs hinaus Meer fahren. Heute jedoch nicht: Gehilfe Hark treibt tot in den Wellen...

Substanzen aus dem Verdauungstrakt sind in der Regel nicht nur anrüchig, sondern auch wertlos. Bei Pottwalen ist das anders: Die Ambra hat eine fast schon mythologische Bedeutung. Früher wurde sie zur Herstellung von Parfüm, aber auch als Gewürz, Arznei oder Aphrodisiakum verwendet.

Trotzdem kann das Trio von der Kripo Sylt zunächst natürlich nicht ahnen, dass sich ein vermeintlicher Mord aus Eifersucht als schnödes Habgierdelikt entpuppen wird. "Sievers und der Gesang der Wale", Fall Nummer 29 für Hinnerk Feldmann und Ina Behrendsen (Oliver Wnuk, Julia Brendler) und Fall Nummer 21 für ihren Chef (Peter Heinrich Brix), beginnt mit einem eleganten Kameraflug über den Hafen.

Wie an jedem Morgen will ein Fischer namens Fischer (Max Hopp) mit seinem Kutter aufs hinaus Meer fahren. Heute jedoch nicht: Gehilfe Hark treibt tot in den Wellen. Anscheinend hat ihn jemand verprügelt und dann ins Wasser geworfen; weil er nicht schwimmen konnte, ist er ertrunken. Götz Fischer weiß offenbar, wer’s war, denn er macht sich umgehend auf den Weg zu einem Fest des Heimatvereins und knöpft sich dort einen jungen Mann vor, der tatsächlich ein klassisches Motiv hat: Hark hat sich angeblich an seine Verlobte ’rangemacht, deshalb hat er ihm eine Abreibung verpasst.

Der Fall scheint also schon gelöst, bevor die Ermittlungen überhaupt begonnen haben, doch die Aussage der jungen Frau weist gewisse Ungereimtheiten auf. Hark war in der Tat in die schöne Helena (Pauline Pollmann) verliebt, aber ob er sich ihr wirklich unsittlich genähert oder gar versucht hat, sie zu vergewaltigen, ist mehr als fraglich. Dennoch bleibt Sören (Tom Gronau), ein typischer Schnösel aus gutem Hause, dringend verdächtig, zumal er irgendwann auch noch mit einer Pistole ’rumfuchtelt. Dass seine arroganten Eltern (Catrin Striebeck, Stephan Schad) in Hamburg eine renommierte juristische Kanzlei betreiben, macht die Sache nicht einfacher.

Außerdem unterstützen die Stippkes den Heimatverein, dessen Vorsitz Ina gerade erst übernommen hat. Dieser Teil der Geschichte ist zunächst fast interessanter als der eigentliche Kriminalfall, weil Berno Kürten (Buch und Regie) viel Sylter Geschichte einfließen lässt. Die meisten Einheimischen haben Vorfahren im Walfang, alle kennen die Ambra und ihren Wert. Deshalb rückt eine Fotografie mehr und mehr ins Zentrum der Handlung: Rechtsmedizinerin Karp (Anne Weber) hat das zusammengeknüllte Bild in Harks Magen entdeckt. Die Aufnahme zeigt einen Walfänger und seinen riesigen Fang, aber die Inschrift auf der Rückseite ist nur noch bruchstückhaft zu erkennen; sie wird sich schließlich als eine Art Schatzkarte entpuppen.

Kürtens Inszenierung ist für einen Krimi fast schon zu entspannt, sodass die ausgezeichnete Musik von Mario Grigorov akustisch umso stärker herausragt, zumal es ihm gelingt, selbst in schematischen Momenten wie den diversen Dünenbildern hintergründige Spannung zu schüren. Zwischendurch lässt er auch mal Jazzpassagen einfließen, doch meist sorgt seine Komposition mit klassischen Mitteln für subtilen Hitchcock-"Suspense".

Die Bildgestaltung ist grundsolide, aber gänzlich frei von Überraschungen; "Sievers und der Gesang der Wale" lebt in erster Linie von der Handlung. Geschickt legt Kürten diverse Fährten, die scheinbar keinerlei Bezug zum Kern des Krimis haben. Das gilt vor allem für die witzigen Szenen mit Peter Franke, dessen einzige Dialogsätze Zeilen aus Marius Müller-Westernhagens Klassiker "Sexy" sind. Sievers hat seinen Onkel, dem er indirekt die berufliche Laufbahn zu verdanken hat, in einer Hausgemeinschaft für alte Herrschaften untergebracht. Im berührendsten Moment des Films lauschen Onkel und Neffe in einem Strandkorb dem titelgebenden Gesang der Wale.

Das Heim kommt ins Spiel, weil hier auch Harks kürzlich verstorbene Oma lebte. Zu ihren wenigen Hinterlassenschaften gehört unter anderem ein leerer Bilderrahmen. Dass der Chef Feldmann und Behrendsen nichts von seinem Onkel erzählt hat, ist zwar sein gutes Recht, wirkt aber wie ein Versuch, die Geschichte komplizierter zu machen, als sie eigentlich ist. Die Begegnung mit den betagten Damen und Herrn lässt Feldmann über die Endlichkeit des Daseins nachdenken. Das hat zwar mit dem Fall rein gar nichts zu tun, ist aber Voraussetzung für allerlei Geplänkel mit der Kollegin. Feldmanns Verbalscharmützel mit Streifenpolizist Schneider (Stephan A. Tölle) und die Zurechtweisungen durch Sievers, den Peter Heinrich Brix diesmal noch unleidlicher als sonst verkörpert, gehören zwar zum Procedere der Reihe, sind aber wie stets recht amüsant.