Berlin (epd). Das Wetterphänomen El Niño wird nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) Fluchtbewegungen in Ostafrika deutlich verschärfen. „In unseren Prognosen rechnen wir damit, dass allein in Somalia zwischen Oktober und Dezember etwa 870.000 Menschen vertrieben werden“, sagte der IOM-Regionaldirektor für Süd- und Ostafrika, Frantz Celestin, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Durch El Niño ist in den kommenden Monaten verstärkt mit Dürren und Starkregenfällen zu rechnen. „Der sogenannte 'Super-El-Niño‘ wird erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Horn von Afrika haben“, sagte Celestin. Die Staaten der Region seien jedoch nicht gewappnet: „Derzeit ist kein Land ausreichend vorbereitet, weil die finanziellen Mittel schlichtweg fehlen“, warnte der IOM-Regionaldirektor.
„Mittelkürzungen sind ein großes Problem“, betonte Celestin. Sie schränkten die Möglichkeiten zu frühzeitigem Handeln ein. „Unsere Daten zeigen aber, dass die Reaktion viermal so viel kostet wie die Prävention.“
Klimawandel als stärkster Treiber für Migration
Der Klimawandel führe vielerorts bereits „zu mehr Vertreibung als es gewaltvolle Konflikte tun“, sagte der IOM-Regionaldirektor. Immer häufiger und heftiger auftretende Extremwetterereignisse gefährdeten die Lebensgrundlage zahlreicher Menschen. „Auf ein Wetterextrem folgt direkt das nächste, nach der Dürre folgt die Überschwemmung.“ Habe es in der Region früher alle zehn Jahre eine schwere Dürre gegeben, sei dies inzwischen „fast alle zwei Jahre“ der Fall.
In Somalia habe die Dürre von 2021 bis 2023 rund drei Millionen Tiere aus der Viehhaltung verenden lassen und das Land an den Rand einer Hungersnot gebracht. „Der Klimawandel vertreibt Menschen aus ihrer Heimat, wenn das Land sie nicht mehr ernähren kann“, sagte Celestin. Derzeit seien innerhalb Somalias bereits rund drei Millionen Menschen Binnengeflüchtete.
Bessere Hilfe dank präziser Prognosen
Um die Folgen von zukünftigen Extremwetterereignissen zu lindern, setzt die IOM auf vorausschauendes Handeln. In Somalia hat das bereits funktioniert: Historische Daten über Fluchtbewegungen nach Dürren und Überflutungen aus einer IOM-Datenbank wurden mit Prognosedaten kombiniert. So konnte recht genau vorhergesagt werden, „in welchen Gebieten es nach einer Überschwemmung zu Vertreibungen kommen wird“, erklärte Celestin. An diesen Orten konnten Hilfsgüter wie Boote und Planen bereitgestellt werden. Derzeit werde dies auch für einige Nachbarländer geprüft.



