Ja zur Arbeitspflicht für Grundsicherungsempfänger

Jobcenter
epd-bild/version/Elena Koktanek
Wenn Grundsicherungsbezieher arbeiten müssten, könnten sie etwas zurückgeben, sagt der Ethiker und Philosoph Otfried Höffe.
Plädoyer eines Philosophen
Ja zur Arbeitspflicht für Grundsicherungsempfänger
Der Philosoph und Ethiker Otfried Höffe plädiert für eine Arbeitspflicht für Grundsicherungsempfänger. Eine Arbeitspflicht könne Ungerechtigkeit lindern.

 Der Philosoph Otfried Höffe hält eine Arbeitspflicht für Grundsicherungsempfänger für gerecht. Er sehe in der Grundsicherung "sogar einen Gerechtigkeitsverstoß", sagte Höffe der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Es müssen Steuern eingenommen werden, und zwar von denen, die ihr Einkommen noch selber erarbeiten."

Dass die einen das täten und die anderen nicht, widerspreche dem Grundgedanken der Gerechtigkeit, alle Menschen gleichzubehandeln, erklärte Höffe weiter: "Schon weil die anderen Menschen, die für ihr Wohlergehen in der Berufswelt tätig sein müssen, nicht das Gefühl haben dürfen, mit ihrer Arbeit kaum besser dazustehen als diejenigen, die nicht arbeiten."

Gerechtigkeitsproblem oder Mehrleistung?

Er sei überzeugt, dass dieser Gerechtigkeitsverstoß sich lindern ließe, wenn Grundsicherungsbezieher etwas zurückgäben und arbeiteten. "Es mag für manche ein Ärgernis sein, aber viele haben auch Spaß daran", sagte der Ethiker in dem bereits am Freitag erschienenen Zeitungsinterview. "Zudem würden auch sie einen Beitrag zur Finanzierung der Grundsicherung leisten." Arbeiteten Menschen nicht, sei das auch eine Benachteiligung für sie selbst. Ihnen werde vieles aus der Hand genommen, etwa die Erweiterung ihrer geistigen Fähigkeiten.

 

In der Debatte um den Sozialstaat werde manches zu einem Gerechtigkeitsproblem erklärt, was faktisch eine Mehrleistung sei, "also etwas, das über das Geschuldete hinausgeht", sagte Höffe: "Man erklärt Wohltätigkeit oder Menschenliebe zu einer Gerechtigkeitsforderung."

Höffe forderte einen großzügigeren Gerechtigkeitsbegriff in der politischen Debatte. Die Menschen sollten auch selber großzügiger denken, sagte er: "Wenn sie einmal nicht so gut behandelt werden, sollten sie das akzeptieren, solange es nicht an den Kern ihres Selbstverständnisses geht." Das Leben sei in mancher Hinsicht ungerecht.