Die bayerische evangelische Landeskirche bereitet sich nach den Worten ihres Personalchefs Stefan Reimers auf massive Einschnitte vor und will deshalb den Einsatz der Hauptamtlichen grundlegend umstellen. "Verbindliche Teamarbeit ist unsere Antwort darauf, dass wir weniger werden", sagte der Oberkirchenrat dem Evangelischen Pressedienst.
Bis 2035 rechne die Landeskirche bei Hauptamtlichen, Kaufkraft und Mitgliedern mit einem Rückgang um jeweils 40 Prozent. Die Stellenkürzungen in den rund 60 Dekanaten sollen laut Reimers jedoch auf maximal 35 Prozent begrenzt werden, um kleine Bezirke vor unverhältnismäßig hohen Einbußen zu bewahren.
Bereiche wie die Kirchenmusik blieben wegen ihrer hohen Außenwirkung von den Kürzungen ausgenommen, ebenso wie Leitungsstellen auf Dekanatsebene und fremdfinanzierte Stellen. Die Beschlüsse zur Personalplanung sollen die Dekanatsbezirke bis 2032 fassen und bis Ende 2034 umsetzen.
Neue Arbeitsformen in Gemeinden
Künftig sollen laut Reimers Stellen nur noch besetzt werden, wenn sie in multiprofessionellen Teams von mindestens fünf Vollzeitäquivalenten organisiert sind. Dazu zählen neben Theologen auch Diakone, Pädagogen und Kirchenmusiker. Eine gemeinsame Geschäftsführung soll die Verwaltung und den Haushalt aller Kirchengemeinden einer Regionalgemeinde weitestgehend übernehmen, damit die Ortsgemeinden von Bürokratie entlastet werden.
Dass Ehrenamtliche den Rückgang an hauptamtlichen Kräften vollständig auffangen können, bezeichnete Reimers als Trugschluss: "Wenn die Kirchenmitgliederzahl schrumpft, warum sollte da automatisch die Zahl der Ehrenamtlichen steigen?" Freiwillige müssten jedoch durch Fortbildungen befähigt werden, Aufgabenbereiche eigenverantwortlich zu übernehmen.
Zugleich verlange der Wandel von den Gemeinden, sich von vertrauten Strukturen wie dem alleinigen Gemeindepfarrer zu verabschieden: "Aus theologischer Sicht ist die Kirche kein starrer Ort, sondern sie entwickelt sich weiter."
Zudem regte Reimers eine verstärkte Unterstützung für kirchliche Arbeit in Ostdeutschland an. Angesichts der dortigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen reiche es nicht aus, lediglich mitfühlende Worte zu sprechen. Die bayerische und andere Landeskirchen sollten prüfen, ob sie sich auch personell in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt engagieren könnten: "Wir gehen dorthin, wo gesellschaftlicher Zusammenhalt bedroht ist", sagte Reimers.




