Die Frage der Woche, Folge 103: Warum reden wir mit der AfD?

Vor der Bundestagswahl 2017 interviewen wir alle Parteien mit Parlamentschancen. Das bedeutet auch die AfD.

Liebe evangelisch.de-Nutzerinnen und -Nutzer,

im September ist wieder Bundestagswahl. Das spielt auch auf evangelisch.de eine Rolle: Wir haben die religionspolitischen Sprecher der größeren Parteien angefragt, um mit ihnen Interviews zum Thema Kirche, Staat und Parteien zu machen. Wir haben schon Zusagen von SPD, Linken, Grünen und der AfD, aber noch keine von CDU/CSU und FDP.

Warum taucht die AfD in der Liste auf, auch wenn wir schon mehrfach deutlich gemacht haben, dass die AfD mit ihren Inhalten keine Partei ist, die evangelische Christen guten Gewissens wählen können?

Wir haben im Vorfeld in der Redaktion und mit der Chefredaktion überlegt, wie wir die Parteien-Auswahl für die Interviews treffen wollen. Die kleinste Variante wäre gewesen: Nur die religionspolitischen Sprecher der Fraktionen anfragen, die im aktuellen Bundestag vertreten sind - also nur CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke. Die größte Variante wäre gewesen: Alle 40 Parteien, die zur Bundestagswahl zugelassen sind, ansprechen. Diese große Variante war aus praktischen Gründen nicht machbar - dafür ist unsere Redaktion einfach zu klein. Und viele der zur Wahl zugelassenen Parteien sind auf Bundesebene auch einfach bedeutungslos, wenn es um tatsächlichen Einfluss auf politisches Handeln in den Instutionen geht.

Mit diesem Gedanken im Hintergrund haben wir uns dann gefragt, ob wir uns tatsächlich auf die vier Bundestagsfraktionen beschränken wollen. Aber uns interessiert auch, wie die FDP zu unseren Fragen zu Kirche steht, die gute Chancen auf den Wiedereinzug in den Bundestag hat. Chancen auf Bundestagsmandate hat aber auch die AfD, das lässt sich dieser Tage nicht bestreiten.

Unser Ziel ist, die Parteien, die vermutlich den 19. Bundestag bilden werden, vor der Wahl in einen engen evangelischen Fokus zu nehmen, damit Sie und ihr spezifisch evangelische Informationen bekommen, die bei der Wahlentscheidung helfen. Das bedeutet dann aber auch ein Gespräch mit der AfD. (Die CDU/CSU tritt bundesweit als gemeinsame Liste an, deswegen haben wir für das Interview bei der gemeinsamen Bundestagsfraktion angefragt.)

Alle Gesprächspartner*innen in diesen Interviews bekommen von uns die gleichen Fragen gestellt, damit die Antworten vergleichbar sind. Die Interviews gehen alle zum gleichen Zeitpunkt online, sobald wir alle zusammen haben. Das wird voraussichtlich Anfang September sein, wenn der Wahlkampf in die heiße Phase vor der Wahl geht.

Wird die Partei mit dem deutsch-nationalen Programm dadurch salonfähiger, wenn sie in die Riege unserer Interviews aufgenommen wird? Vielleicht - ausschließen kann ich das nicht. Aber wir haben hier eine rechtspopulistische Bewegung, die realistische Chancen auf eine Vertretung im Bundesparlament hat. Wir werden uns damit noch jahrelang befassen müssen, ignorieren geht da nicht. Nach der Beschäftigung mit dem Parteiprogramm ist für uns relativ eindeutig: Eine Partei, die ihre Identität aus Nationalismus und Abgrenzung zieht, ist keine Partei, die Christen wählen können. Wir müssen uns trotzdem weiter damit auseinandersetzen, wo die Anziehungskraft der AfD herkommt und was diese Partei eigentlich will. Und das bedeutet, manchmal mit ihren Vertretern zu reden. Vor der Bundestagswahl machen wir das jetzt auch.

Ich wünsche euch und Ihnen ein gesegnetes Wochenende!


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Ich werfe an dieser Stelle mehr oder weniger regelmäßig einen Blick auf die vergangene Woche und beantworte außerdem Ihre Fragen zu evangelisch.de, so gut ich kann. Ich wünsche euch und Ihnen einen gesegneten Start ins Wochenende!