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Digitale Kommunikation
Warum Jugendliche Angst vor dem Telefonieren haben
chrismon: Stimmt es, dass jüngere Menschen oft nicht so gerne telefonieren?
Nina Kolleck: Ja, für viele junge Menschen fühlt sich ein Anruf fast an wie ein unangekündigter Besuch an der Haustür. Eine Situation, in der sie spontan reagieren müssten. Wenn sie dagegen eine Nachricht digital empfangen, können sie in Ruhe eine Antwort formulieren und später antworten. Sie steuern die Kommunikation.
Warum ist das so?
Junge Menschen sind es gewohnt, soziale Beziehungen über digitale Räume zu organisieren. Sie finden Freunde in Gruppenchats, tragen Konflikte per Nachricht aus und teilen Liebesdramen direkt auf Social Media mit. Mit Social Media entsteht eine neue Form jederzeit verfügbarer Verbundenheit. Dieses Phänomen nenne ich "digitale Nähe".
Nähe wird nicht mehr nur über Stimme, Blickkontakt und gemeinsame körperliche Präsenz erlebt, sondern über Likes, Nachrichten, Reaktionen und ständige Erreichbarkeit. Das erklärt, warum asynchrone, also zeitversetzte, Kommunikation für viele Jugendliche heute oft natürlicher wirkt als das spontane Telefongespräch: Sie ist die Kommunikationsform, in der ihre Beziehungen sozialisiert wurden.
Haben die jungen Leute Angst vor dem Telefonieren?


