2.000 Quelle-Beschäftigte ab November ohne Job

2.000 Quelle-Beschäftigte ab November ohne Job
Die Kirchen in Nürnberg verstärken ihr Engagement, um den Entlassenen bei Quelle zu helfen. So ist die "Mobile Kirche" vor Ort und steht für Gespräche bereit. Die ersten 2.000 Beschäftigten werden ab November arbeitslos sein.

Mehr als 2.000 Quelle-Beschäftigte gehen Anfang November in die Arbeitslosigkeit. Etwa 1240 von ihnen kämen direkt von Quelle, die übrigen 820 aus den angeschlossenen Servicegesellschaften, sagte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch nach einem Treffen mit der Insolvenzverwaltung.

"Gerade jetzt brauchen die Menschen die Unterstützung und die Solidarität auch der Kirchen", sagt Sozialsekretär Norbert Feulner vom evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) angesichts dieser Lage. Mit mehreren Angeboten wollen der KDA, die Katholische Betriebsseelsorge sowie die Evangelische und Katholische Kirche vor Ort den Entlassenen und von Entlassung bedrohten Quelle-Beschäftigte helfen: So wird sich ab heute mittag die mobile "Kirche vor Ort" gegenüber dem Personaleingang von Quelle in der Adam-Klein-Straße in Nürnberg einfinden. Dort stehen kirchliche Mitarbeitende für Gespräche und Informationen über weitere Hilfsangebote zur Verfügung. "Wir wollen für die Menschen ein offenes Ohr haben, wenn sie nicht wissen wohin mit ihrer Wut und Verzweiflung", sagte Feulner. Alle Betroffenen sind zu dem zu einem offenen Treff am nächsten Mittwoch eingeladen (16 Uhr Gemeinderäume der Epiphaniaskirche).Beide Kirchen setzen damit ihr Engagement der vergangenen Wochen für die Quelle-Beschäftigten fort.

Knapp 6.000 Mitarbeiter sollten nach den Vorstellungen von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vorerst weiterbeschäftigt werden, um den Ausverkauf des Versandunternehmens abzuwickeln. Diese Zahlen seien jedoch "äußerst fragil", sagte Verdi-Experte Rösch. "Sie können vielleicht morgen schon nicht mehr stimmen." So sei beispielsweise unklar, ob die Deutsche Post DHL bereit sei, die Ware, die in den Lagern liege, auch auszuliefern. Dies hänge davon ab, ob die Rechnungen beglichen werden könnten. "Die Unsicherheit lässt die Menschen bei Quelle verzweifeln", sagte Rösch.

Die chaotischen Zustände bei der Abwicklung von Quelle setzen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg somit immer stärker unter Druck. Görg habe nach dem Scheitern der Investorengespräche keinen "Plan B" für das Versandunternehmen gehabt, sagte Rösch der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Insolvenzverwalter habe keine Antwort darauf, wie der Abverkauf der Lagerbestände organisiert werden könne. "Es gibt viele offene, zermürbende Fragen", sagte Rösch. Görg wies die Kritik zurück. "Der Insolvenzverwalter kann erst dann Klartext reden, wenn das Konzept mit allen Beteiligten abgestimmt ist", sagte sein Sprecher Thomas Schulz.

Gewerkschafter Rösch sagte, die Leidtragenden der Hängepartie seien die Arbeitnehmer, die Unterlagen wie Arbeitsbescheinigungen und Kündigungsschreiben vom Insolvenzverwalter nicht bekämen. Diese Papiere bräuchten sie aber, um sich arbeitslos melden zu können. "Es besteht die Gefahr, dass sie kein Arbeitslosengeld erhalten", warnte Rösch. Die Lage für die Beschäftigten werde immer dramatischer.

dpa/web