Kriminelle Mitarbeiter bleiben oft verschont

Deutschland spricht 2019
Kriminelle Mitarbeiter bleiben oft verschont
Bei deutschen Großunternehmen ist die Bereitschaft gesunken, kriminelle Mitarbeiter anzuzeigen. Ein deutlicher Rückschritt bei der Kriminalitätsbekämpfung.

Deutliche Rückschritte bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität hat die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer Studie festgestellt. So sei bei den befragten Großunternehmen die Bereitschaft deutlich gesunken, eigene kriminelle Mitarbeiter nach der Aufdeckung schwerwiegender Delikte bei den Behörden anzuzeigen, berichtete der frühere Staatsanwalt und PwC-Partner Stefan Salvenmoser am Donnerstag in Frankfurt. Gleichzeitig seien die entdeckten Fälle häufiger und schwerwiegender geworden. Im Vergleich zu US-Firmen hinkten die deutschen Großunternehmen bei ihren Vorkehrungen gegen Korruption, Wettbewerbsdelikte, Unterschlagungen und anderes weiter hinterher.

"Die Hälfte der Täter geht straffrei aus", erklärte Salvenmoser auf der Grundlage von 210 nach Selbsteinschätzung der Firmen schwerwiegenden Fällen von Wirtschaftskriminalität. Noch vor zwei Jahren seien immerhin 61 Prozent der Täter angezeigt worden. Nach Einschätzung des Studienautors von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Kai Bussmann, können vor allem Topmanager damit rechnen, zwar entlassen, nicht aber vor Gericht gestellt zu werden. Die Unternehmen fürchteten das öffentlichen Aufsehen und damit verbundenen Ansehensverlust.

Jedes aufgedeckte Delikt verursachte laut PwC einen Schaden von 4,3 Millionen Euro und damit fast das Dreifache des Wertes aus dem Jahr 2007. Fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) sei nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden. Zusätzliche Kosten für das Schadensmanagement beziffert die Studie auf 830 000 Euro pro Fall. Befragt wurden 500 größere Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Besonders gravierend sind Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht, wenn also die Firmen Opfer von Produktpiraten oder Industriespionen geworden sind. Sie wiesen mit knapp 6 Millionen Euro den höchsten Durchschnittsschaden pro Fall auf. Rund 40 Prozent der Befragten rechnen mit einem weiteren Anstieg der Kriminalität in der Wirtschaftskrise. Fast jedes dritte Unternehmen erwartet zudem mehr Straftaten ihrer Mitarbeiter, die sich verstärkt Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz machten.

Die Verbrechen würden immer noch in rund 70 Prozent der Fälle zufällig entdeckt, meinte Salvenmoser. Dies wecke große Zweifel an der Effizienz der Präventionsvorkehrungen. Die Unternehmen seien nach der Novelle des Datenschutzgesetzes zusätzlich verunsichert und unterließen eigentlich zulässige Abwehrmaßnahmen etwa beim Screening der Mitarbeiterdaten.

dpa