Nach Angriff: "Ärzte ohne Grenzen" reduzieren Hilfe in Zentralafrika

Nach Angriff: "Ärzte ohne Grenzen" reduzieren Hilfe in Zentralafrika
Nach dem Anschlag auf eine Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" im Norden der Zentralafrikanischen Republik schränkt die Organisation die medizinische Hilfe im ganzen Land ein.

In der kommenden Woche würden die Teams ausschließlich Notfälle behandeln, teilte die Hilfsorganisation am Montag in Berlin mit. Bei dem Massaker in der Stadt Boguila waren am 26. April 16 Zivilisten in dem Krankenhaus getötet worden, darunter drei lokale Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen". Die Organisation forderte von allen Konfliktparteien und von der Regierung, Angriffe gegen Zivilisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen öffentlich zu verurteilen.

Die Einschränkung der medizinischen Hilfe betrifft alle dreizehn Projekte im Land sowie die Hilfe für die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten, wie es hieß. Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter würden neu bewertet und alle Projekte auf den Prüfstand gestellt.

Jeden Monat bis zu 13.000 Patienten

Für den Angriff in Boguila wurden frühere Angehörige der offiziell aufgelösten islamistischen Rebellenkoalition Séléka verantwortlich gemacht. In den vergangenen 18 Monaten wurden Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" wiederholt Opfer gewaltsamer Angriffe, mehrheitlich in der Präfektur Ouham, in der Boguila liegt. Auch Personal der staatlichen Gesundheitseinrichtungen sowie Mitarbeiter anderer humanitärer Organisationen wurden Opfer gezielter Gewalt.

In der Zentralafrikanischen Republik arbeiten derzeit mehr als 300 internationale und mehr als 2.000 zentralafrikanische Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen". Seit 2006 betreibt die Organisation das Krankenhaus in Bougila mit 115 Betten für 45.000 Menschen. Jeden Monat wurden dort zwischen 9.000 und 13.000 Patienten behandelt. Die Organisation ist nach eigenen Angaben das einzige internationale humanitäre Hilfswerk, das in dieser Region arbeitet.

Seit einem Militärputsch im März 2013 eskaliert die Gewalt zwischen Christen und Muslimen in der Zentralafrikanischen Republik. Die Hälfte der Bevölkerung, etwa 2,2 Millionen Menschen, sind von humanitärer Hilfe abhängig. Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen warnen seit Monaten vor ethnischen Säuberungen im Land.

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