Gerhard Robbers: "Ein Präsident, der ermuntert"

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers im epd-Gespräch

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Gerhard Robbers, Juraprofessor in Trier, ist Präsident des Hamburger Kirchentags.

Gerhard Robbers: "Ein Präsident, der ermuntert"
Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag steht vor der Tür. In der Reihe "Köpfe des Kirchentags" stellen wir die wichtigsten Verantwortlichen für das Christentreffen Anfang Mai in Hamburg vor. Heute: Kirchentagspräsident Gerhard Robbers, ein Mann der leisen Töne.
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Er wolle "kein Sondersüppchen kochen", hat Gerhard Robbers einmal gesagt. Und es ist dem Präsidenten des 34. Evangelischen Kirchentags in Hamburg anzumerken, dass er es auch so meint. Große Gesten und das Rampenlicht sind seine Sache nicht. Dabei ist der Kirchentag vom 1. bis 5. Mai mit seinen mehr als 2.500 Veranstaltungen und rund 100.000 Teilnehmern ein echtes Großereignis.

Robbers mag nicht viel Wind machen um seine Person und die vielen Termine seiner Präsidentschaft. Er sei dankbar für dieses Amt, in dem er so vielen interessanten Menschen begegne. "Es ist immer wieder beglückend", sagt der 62-Jährige. "All diese vielen Menschen, die sich intensiv einbringen." Die daraus erwachsene Kreativität dürfe nicht durch das Herausstellen einzelner Personen oder durch Weisungen "von oben" verloren gehen.

Gerhard Robbers studierte Jura in Freiburg, promovierte über "Gerechtigkeit als Rechtsprinzip" und habilitierte über das Thema "Sicherheit als Menschenrecht". 1989 folgte der Ruf nach Trier, wo er seitdem als Professor lehrt. Robbers ist verheiratet und hat vier Kinder. 

Gewinnende und humorvolle Art

"Er ist ein Präsident, der ermuntert und ermutigt", sagt Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Kirchentags. Gebe es Schwierigkeiten, sei er sofort zur Hilfe bereit. Robbers habe mit seiner gewinnenden und humorvollen Art "inzwischen fast ganz Hamburg persönlich von den Vorzügen des Kirchentags überzeugt".

Dabei war Robbers in jungen Jahren selbst gar nicht überzeugt. Im Alter von rund 17 Jahren ist er aus der Kirche ausgetreten, "weil ich nicht geglaubt habe, was die mir da erzählen wollten". Doch mit Anfang 30 habe er zurück gefunden zum evangelischen Glauben. Seitdem weiß Robbers: "Auch wer nicht dazu gehört, hat die selben Fragen wie die Menschen, die ihren Glauben haben."

Ethik im Unternehmenshandeln verankern

Die Kirchentagslosung "Soviel du brauchst" sieht der Juraprofessor "als Zuspruch und als Aufforderung". Diskutieren will er etwa über die Frage, wie "ethisches Wirtschaften in Unternehmen verankert werden kann". Und es gehe darum, "wie wir unterschiedliche Kulturen, Weltanschauungen und Religionen zusammenbringen."

Robbers ist selbst ein Experte für diese grundlegenden Fragen. In Büchern und Aufsätzen hat er sich mit dem Staatskirchenrecht, dem Streikrecht in Kirchen sowie mit Gottesbezügen in Verfassungen beschäftigt. Eine seiner Kernthesen lautet: Staat und Bürger sollten "religionsoffen" sein und Religionsfreiheit für jeden in vollem Umfang gewähren - egal ob Christ, Jude oder Moslem. Ellen Ueberschär sagt, Robbers argumentiere immer für ein Weiterdenken, für Offenheit von Kirche und Christen gegenüber Andersgläubigen. Gerade für den Kirchentag im multikulturellen Hamburg sei das "eine große Stärke".

Das obdachlose Mädchen in Hamburg

Für Robbers gibt es noch ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: Die Einsamkeit. Sie werde nicht nur deutlich an der steigenden Zahl von Singlehaushalten. Es gebe eine Einsamkeit, die einem überall begegne, "wenn man nur die Augen offen hält". Dann erzählt er die Geschichte von dem obdachlosen Mädchen in Hamburg. Eine der vielen Obdachlosen in einer der reichsten Städte Deutschlands. Aber dieser jungen Frau, die ihre Habseligkeiten in zwei Plastiktüten aufbewahrte, hat Robbers eines Abends beim Vorübereilen in die Augen geschaut: "Ich war berührt von der unendliche Leere, die ich gesehen habe".

Einen Moment lang überlegte er zurückzugehen, ihr Hilfe anzubieten - und setzte seinen Weg dann doch fort. Eine Begegnung, die ihn immer noch beschäftigt. War er wieder einmal in Eile? War er unsicher, wie die junge Frau auf seine Ansprache reagieren würden? Er weiß es nicht. Aber er habe an die Losung des Kirchentags denken müssen: Soviel Du brauchst. Und ihm sei schmerzhaft bewusst geworden: "An diesem Abend hatten wir beide von etwas Wichtigem zu wenig."