Auf der Suche nach spirituellen Filmen

Filmjury Interfilm Venedig

Foto: Privat

Die Interfilm-Jury: Giuseppina Daniela Grosso, Italien, Serge Molla, Schweiz (Präsident der Jury) und Heike Kühn, Deutschland (von links).

Auf der Suche nach spirituellen Filmen
Wie die Interfilm-Jury bei den Filmfestspielen in Venedig arbeitet
Bei großen Filmfestivals geht es um Glamour, Stars und gute Filme. Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus? Karsten Visarius betreut die Jury der internationalen kirchlichen Filmorganisation Interfilm bei den Filmfestspielen von Venedig. Als Leiter des Filmkulturellen Zentrums der EKD kennt er sich bestens mit ästhethischen Filmen aus.
07.09.2012
Jana Hofmann
evangelisch.de

Herr Visarius, Sie sind zum zweiten Mal bei den Filmfestspielen von Venedig dabei. Wie erleben Sie das Festival?

Karsten Visarius: Ein Festival ist ein großes Erlebnis, weil es außerordentlich vielfältig ist, weil es immer wieder überraschend ist. Das Festival hat natürlich eine Auswahl getroffen, bei der vorausgesetzt ist, dass die Filme ein hohes ästhetisches Niveau haben, weil das Festival Venedig für jeden Film, der hierher kommt, ein hohes Prestige mitbringt. Das heißt, man hat von Anfang an ein überwältigendes Erlebnis durch die Filme. Das ist natürlich beeindruckend.

Sie waren letztes Jahr Präsident der Jury. Wie ist es, wenn man Filme mit den Augen eines Jurymitglieds schaut und nicht nur zum Privatvergnügen?

Man ist dann an die Kriterien der Jury gebunden. Wir verleihen den Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs. Das heißt, dass die Jury nach Filmen sucht, die in irgendeiner Weise das Thema Religion oder die spirituellen, existenziellen Dimensionen von Gesellschaft zum Thema machen. Das ist ein bestimmter Fokus, der für die Jury und jedes Mitglied der Jury vorgegeben ist. Für mich ist immer eine spannende Entdeckungsreise, ob man tatsächlich die verborgene Dimension, die ein Film meistens hat, entdeckt.

Sie haben schon erwähnt, dass die Interfilm-Jury die Filme auf den Filmfestspielen von Venedig auf religiöse Dimensionen hin betrachtet. Worauf achtet die Jury noch?

Qualitätsfragen, natürlich. Es ist ein obligatorisches Element, dass die Filme von hoher ästhetischer Qualität sind. Der Preis heißt zwar "Förderung des interreligiösen Dialogs", das heißt aber nicht, dass die Filme selbst den interreligiösen Dialog führen müssen.

Filme bieten die Möglichkeit, in fremde Gesellschaften, also auch in fremde Religionen, Einblick zu gewinnen. Interreligiöser Dialog heißt aber auch in einer säkularen Gesellschaft, dass die eigene Religion vorgestellt wird. Das sind dann Filme, die sich mit religiösen Fragen auseinander setzen, direkt oder verborgen.

Das Ziel von Interfilm ist es, Kino und Kirche, Kultur und Religion zu vernetzen. Warum ist das wichtig?

Im Kino tauchen religiöse Themen auf, denen die Menschen sonst aus dem Weg gehen. Das heißt, es gibt eine Latenz in der Gesellschaft, im Kino religiösen Fragen nachzugehen. Das Unsichtbare der religiösen Fragen wieder sichtbar zu machen, ist uns wichtig.