Daniel Craig: "Bei Bond geht es immer um Macht und Sex"

Daniel Craig beim Fototermin während der "Skyfall"-Premiere in Berlin.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Daniel Craig beim Fototermin während der "Skyfall"-Premiere in Berlin.

Daniel Craig: "Bei Bond geht es immer um Macht und Sex"
Mit "Skyfall" startet am Donnerstag der 23. Bond-Film - 50 Jahre, nachdem der britische Geheimagent 1962 mit "James Bond – 007 jagt Dr. No" seine Premiere in den Kinos feierte. Seitdem hat sich die Filmreihe verselbstständigt, Bond-Erfinder Ian Fleming hatte nur zwölf Romane und zwei Kurzgeschichten geschrieben. Im Interview erzählt Bond-Darsteller Daniel Craig, was an ihm selbst Bond ist, wie er Bond neu erfinden konnte und wie viel Bond er noch machen will.

Wie viel James Bond steckt in Daniel Craig?

Daniel Craig: In mir ist nicht die geringste Spur von Bond. Das ist alles nur Schauspielerei und Getue. Ehrlich gesagt, möchte ich auch gar nicht so ein Mann wie Bond sein. Die Vorstellung ist natürlich toll, dass man sich in diesen gefährlichen Situationen, in die sich Bond begibt, als Held beweist. Aber eigentlich ziehe ich es vor, erst gar nicht in solche Situationen zu geraten. Bond ist für mich bloß ein Job.

Wie groß ist der Einfluss, den Sie über Ihre Rolle hinaus auf die Entwicklung eines Bond-Filmes haben?

Craig: Ich habe keine Ahnung, wie groß mein Einfluss ist, aber ich sage einfach immer meine Meinung. An diesem Film habe ich die letzen zwei Jahre gearbeitet, war an der Entwicklung des Drehbuches genauso beteiligt wie bei der Auswahl der Schauspieler. Das heißt nicht, dass ich die Entscheidungen treffe, aber ich werde nach meiner Meinung gefragt und dafür bin ich sehr dankbar.

Sie haben Regisseur Sam Mendes an Bord dieses Filmprojekts geholt. Steht neuerdings in Ihrem Vertrag, dass Sie die Regisseure aussuchen dürfen?

Craig: Nein, aber ich habe es einfach getan und ich bin sehr froh darüber, weil ich wusste, dass Sam Mendes diesen Film stemmen kann. Aber es ist natürlich eigentlich nicht meine Aufgabe. Ich hätte die Produzenten anrufen und Sam Mendes vorschlagen sollen anstatt ihn selbst direkt zu fragen.

"Bei James Bond geht es immer um Macht und Sex"

Der erste Bond-Film ist vor fünfzig Jahren in die Kinos gekommen. Was macht 007 zu einer solch unkaputtbaren Kino-Ikone?

Craig: Das liegt zum einen an dem Romanautoren Ian Fleming, der die Figur auf diese geniale Weise angelegt hat und die Wunschvorstellung der Menschen damals in den 60ern genau eingefangen hat. Zum anderen ist das der Verdienst der Familie Broccoli, die jeden Bond-Film produziert hat, sich das Ruder nie aus der Hand nehmen ließ und die Figur wie ein Kronjuwel behandelt hat. Sie haben diese Beständigkeit in das Unternehmen gebracht und dafür gesorgt, dass jeder Bond-Film zum Ereignis wurde. Dazu gehört auch die Tradition, keine Kosten zu scheuen, um das Publikum in diese Fantasiewelt zu entführen, die Stunts so realistisch wie möglich aussehen zu lassen und Dinge auszuprobieren, die man so bisher im Kino noch nicht gesehen hat.

Worin bestand die größte Herausforderung in diesem Jubiläums-Bond?

Craig: Sam Mendes und ich haben darüber geredet, was wir an den alten Bond-Filmen mochten und haben versucht diesen Geist, diesen Stil und diesen Humor für ein neues Publikum wieder auferstehen zu lassen. Es steckt sehr viel Detailarbeit darin, den richtigen Ton zu finden.

"Skyfall" verfügt mit Javier Bardems "Silva" über einen exzellenten Bösewicht, der Bond zum ersten Mal auch sexuelle Avancen machen darf…

Craig: Bei James Bond geht es immer um Macht und Sexualität. Silva will Bond entmachten und versucht es auch auf die sexuelle Tour. Bond tut das, was er immer in gefährlichen Situationen tut: Er pokert - und das ist meiner Meinung nach eine der komischsten Szenen im Film.

"Bond ist ein wenig schlauer geworden"

In "Casino Royale" haben Sie Bond mit einer Menge Hanteltraining zum physischen Helden aufgebaut. Warum war diese körperliche Veränderung der Figur so wichtig?

Craig: Als wir "Casino Royale" drehten, hatten wir die Chance, die Figur neu zu erfinden. Meine Vorstellung war, dass Bond direkt von der Front aus dem Militärdienst ins Spionagegeschäft gerät. Ich wollte. dass er wie ein Killer aussieht. Aber mittlerweile hat die Figur auch eine gewisse Entwicklung durchgemacht, ist ein wenig schlauer geworden, springt nicht immer gleich aus dem Fenster, sondern benutzt auch mal die Treppe.

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Dies ist Ihr dritter Bond-Film. Ist die Arbeit für Sie immer noch spannend oder setzt langsam eine gewisse Routine ein?

Craig: Einen Bond-Film zu drehen, ist für mich immer noch total aufregend. Filme dieser Größenordung werden heute nur noch selten gemacht. Bei einem Bond-Film stehen einem alle Möglichkeiten offen und man ist umgeben von Leuten, die in allen Bereichen zu den besten ihres Faches gehören.

Das heißt, Sie werden für die nächsten beiden Bond-Filme definitiv wieder vor der Kamera stehen?

Craig: Das Wort "defintiv" sollte man im Filmgeschäft nicht voreilig benutzen, aber ich freue mich schon auf den nächsten Bond-Film und habe einen Vertrag für zwei weitere Folgen unterschrieben. Aber wer weiß? Wenn der nächste Bond an den Kinokassen floppt, schmeißen sie mich vielleicht raus und Sie sitzen hier in ein paar Jahren mit einem jüngeren und hübscherer Mann, der meinen Platz eingenommen hat.