Berlin (epd). Alle Zeichen stehen auf Ilse Aigner (CSU) als Bundespräsidentin. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz geht auf den Vorschlag der Schwesterpartei CSU ein und will die Präsidentin des bayerischen Landtags als Kandidatin für das höchste Staatsamt nominieren. Wie eine Parteisprecherin mitteilte, hat Merz am Sonntag bei einem Abendessen des CDU-Präsidiums in Berlin angekündigt, Aigner den Parteigremien vorzuschlagen. Die kommen am Montag offiziell zusammen, um über die Kandidatin zu entscheiden.
Damit dürfte der Weg dafür frei sein, dass Aigner in der für den 30. Januar geplanten Bundesversammlung als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier zur Wahl steht, der nach zwei Amtsperioden als Bundespräsident aufhört. Auch Vertreter von SPD und Grünen hatten sich bereits für die 61-jährige CSU-Politikerin ausgesprochen. Aigner darf damit auf eine deutliche Mehrheit in der Bundesversammlung hoffen.
Merz hatte mit Entscheidung gewartet
Neben ihrer landespolitischen Erfahrung hat Aigner auch auf Bundesebene gewirkt. Unter der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde die Katholikin 2008 Landwirtschaftsministerin. Aigner ist ausgebildete Elektrotechnikerin. Parteiübergreifend wurden in der Diskussion um die richtige Person für das höchste Staatsamt Aigners Volksnähe, ihr Umgang mit Menschen und ihre Grenzziehung zu Extremisten gelobt. Landtagspräsidentin ist Aigner seit 2018.
CSU-Parteichef Markus Söder hatte Aigner schon früh als Staatsoberhaupt ins Spiel gebracht und das in den vergangenen Wochen mehrfach wiederholt. CDU-Chef Friedrich Merz ließ zunächst nicht erkennen, ob er sich den Vorschlag zu eigen gemacht. Diskutiert wurde auch über prominente Frauen aus der CDU. Dass das nächste deutsche Staatsoberhaupt weiblich sein soll, hatte auch Merz bereits erklärt. Aigner wäre die erste Bundespräsidentin in der deutschen Geschichte.
Umfeld des Kanzlers: Gespräch zwischen Merz und Aigner schon im Sommer
Aus dem Umfeld des Kanzlers hieß es am Sonntag, Merz kenne und schätze Aigner lange, in deren Wahlkreis der Kanzler seinen Zweitwohnsitz am Tegernsee hat. Sie beiden würden sich regelmäßig treffen. Bei solch einem Treffen hätten sie auch bereits im Sommer darüber gesprochen, ob Aigner Kandidatin für das Bundespräsidentenamt werden könne. Zu diesem Zeitpunkt habe sich Merz noch nicht festlegen wollen.
Merz hatte wiederholt betont, dass die Parteien im Herbst gemeinsam einen Vorschlag machen wollen. Söders wiederholtes Werben für Aigner hatte aber Personalspekulationen immer wieder angeheizt.
Am Montag kommen die Gremien der CDU zusammen, um die Personalie zu beschließen. Aus dem Umfeld von Merz hieß es, dass auch Aigner in Berlin sein wird. Geplant sei eine gemeinsame Pressekonferenz, bevor Merz und Aigner gemeinsam nach München reisen, wo sie am Abend beide am Festakt zum 20. Jahrestag der Einweihung der Hauptsynagoge Ohel Jakob teilnehmen werden.




