Schuster fordert zu Zivilcourage angesichts von Antisemitismus auf

Schuster fordert zu Zivilcourage angesichts von Antisemitismus auf
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, fordert dazu auf, verächtlichen Bemerkungen und einer Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu widersprechen.

Würzburg (epd). Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat zu Zivilcourage und Mut zum Widerspruch angesichts des wachsenden Antisemitismus aufgerufen. Man dürfe nicht warten, bis jemand anders den Anfang mache, sagte Schuster am Sonntag in Würzburg vor den Delegierten des evangelischen Kirchenparlaments. „Wer den Mund aufmacht, macht es dem nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun.“

Schuster erinnerte daran, dass die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) einen neuen Höchststand antisemitischer Vorfälle und Übergriffe für das Jahr 2025 verzeichnet hat. 8.725 Fälle, durchschnittlich 24 pro Tag, registrierte RIAS. Schuster forderte dazu auf zu widersprechen, wenn jemand einen antisemitischen Witz erzähle oder einen anderen wegen seiner Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht herabsetze. „Und tun wir das auch dann, wenn niemand am Tisch sitzt, den es persönlich trifft“, sagte er.

Erinnerung an den 9. November 1938

Schuster rief die Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Erinnerung. Am Montag gedenken jüdische Gemeinden im ganzen Land der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Am Abend des 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten jüdische Gotteshäuser, Geschäfte und Menschen angegriffen. Dabei sollten die Attacken wie ein spontaner Ausbruch von großen Teilen der deutschen Bevölkerung wirken, tatsächlich waren sie zentral geplant.

Vorwand war ein Attentat eines Juden auf einen deutschen Botschaftsmitarbeiter in Paris zwei Tage zuvor. Schätzungen gehen von mehr als 1.300 Toten infolge der Pogromnacht aus. Die gewalttätige Eskalation der Schikanen der Nationalsozialisten gegen Juden war ein entscheidender Schritt hin zur Judenvernichtung.