Bischof: Argumente helfen nicht allein gegen Rechtsextremismus

Bischof: Argumente helfen nicht allein gegen Rechtsextremismus
In Würzburg hat die Jahrestagung evangelischer Kirchenparlamente begonnen. Der Leitende Bischof der Lutheraner, Ralf Meister, forderte die Kirchen auf, im Kampf gegen rechts stärker auf Gefühle statt Argumente zu setzen.
06.11.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Würzburg (epd). Demokratie lässt sich nach den Worten des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, nicht allein mit guten Argumenten verteidigen. Stattdessen müssten auch die Kirchen im Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus stärker auf die Gefühle der Menschen eingehen, sagte Meister am Freitag in Würzburg zur Eröffnung der 7. Tagung der 13. Generalsynode der Lutheraner.

Politikerinnen und Politiker der etablierten Parteien seien sich überwiegend einig darin, dass man extremistische Positionen mit den besseren Argumenten schlagen müsse, sagte der hannoversche Landesbischof. Doch eine argumentative Auseinandersetzung treffe häufig auf Formen von Verschwörungserzählungen. „Auf den Autonomieverlust, den viele von uns ja auch erleben, antworten Verschwörungstheorien mit einem imaginierten Autonomiegewinn“, sagte Meister. Verschwörungserzählungen seien in kritischen Situationen oft erstaunlich erfolgreich.

„Gefühlsset des Evangeliums“ gegen „Mindset der Wut“

Politische Entscheidungen und Zugehörigkeitsgefühle würden weit weniger von Argumenten geleitet als gemeinhin angenommen, sagte Meister. Insbesondere Wut werde für politische Ziele instrumentalisiert. Die Kirchen müssten deshalb nicht nur gegen Hass und Ausgrenzung argumentieren, sondern Hoffnung, Mitgefühl und Nächstenliebe dagegensetzen.

Vielleicht sei es eine Aufgabe der Kirche in dieser Zeit, nicht nur für etwas zu argumentieren, was vernünftigerweise als gut gelten kann, sondern eine andere Liebe zur Welt auszustrahlen. „Eine Liebe, die sich von Hass nicht anstecken lässt“, sagte Meister. Das „Gefühlsset des Evangeliums“ werde so das Gegenmodell zum „Mindset der Wut“.

Schwerpunktthema „Demokratie“

Mit den Beratungen der Lutheraner beginnt traditionell die Jahrestagung protestantischer Kirchenparlamente. Bis Mittwoch beraten die Delegierten in Würzburg, Schwerpunktthema ist „Demokratie“. Für Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erwartet.

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands ist ein Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen, die zugleich der EKD angehören. Sie hat die Aufgabe, die lutherische Stimme in der Vielfalt des Protestantismus zu stärken und repräsentiert etwa sieben Millionen Kirchenmitglieder.

Die Generalsynode, das gesetzgebende Organ der VELKD, tagt einmal jährlich. Ihr gehören 50 Mitglieder an, die meisten von ihnen sind zugleich auch Mitglieder der Synode der EKD. Mit dieser Jahrestagung endet die Amtsperiode der Generalsynode. Im kommenden Jahr konstituiert sich das evangelische Kirchenparlament neu.