Oberursel, Hamburg (epd). Einseitige Warnungen vor Gewalt bei den „GenZ regelt“-Protesten haben nach Einschätzung der Hamburger Protestforscherin Nina-Kathrin Wienkoop diese Gewalt mit herbeigeführt. Es sei auffällig, wie stark im Vorfeld über mögliche Ausschreitungen gesprochen worden sei, sagte die Politologin dem im hessischen Oberursel erscheinenden Magazin „Publik-Forum“ (Freitag): „Wenn Medien vor allem die Eskalation thematisieren, fühlen sich bestimmte Gruppen angesprochen.“ Gehe die Polizei dann in Erwartung von Gewalt repressiv vor, könne das Eskalation weiter befeuern.
Am vergangenen Samstag hatten nach Angaben der anmeldenden Initiative „GenZ regelt“ bundesweit in Dutzenden Städten rund 120.000 junge Menschen für bessere Bildung, Klimaschutz und Zukunftschancen demonstriert. Nach den Kundgebungen kam es vor allem in Frankfurt am Main zu Gewalt und Plünderungen einzelner Geschäfte, auch in Hamburg oder Köln gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Fehlendes Aufstiegsversprechen
In ganz Europa seien viele junge Menschen zornig, erklärte Wienkoop: „Viele sind mit Krisen aufgewachsen: Pandemie, Klimakrise, Kriege.“ Zugleich fehle ein Aufstiegsversprechen für die unter 30-Jährigen. Als Minderheit in einer alternden Gesellschaft richteten sich politische Debatten oft nicht an sie. Hinzu kämen hohe Lebenshaltungskosten, ein unsicherer Arbeitsmarkt und die Frage, ob sich heutige Bildung künftig noch auszahle.




