Evangelische Kirche mahnt zu Solidarität mit Juden

Evangelische Kirche mahnt zu Solidarität mit Juden
Christinnen und Christen sollen laut der Evangelischen Kirche in Deutschland solidarisch mit Menschen jüdischen Glaubens sein. Jüdisches Leben in Deutschland sei heute wieder bedroht.

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) warnt zum bevorstehenden Jahrestag der Novemberpogrome vor einer zunehmenden Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland. Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, hob am Donnerstag in Hannover die Bedeutung der Solidarität mit Jüdinnen und Juden hervor. „Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch fragen, ob wir entschieden genug widersprechen, Haltung zeigen und Widerstand leisten“, sagte sie.

Laut der EKD-Ratsvorsitzenden Kirsten Fehrs haben Christinnen und Christen eine besondere historische Verantwortung, sich gegen Antisemitismus einzusetzen. „Christliche Judenfeindschaft hat dazu beigetragen, Ausgrenzung und Gewalt den Boden zu bereiten“, erklärte die Hamburger Bischöfin. Es sei heute wieder besonders dringlich, sich jeder Form von Antisemitismus und Bedrohung jüdischen Lebens entgegenzustellen.

Zentral geplante Pogrome

Am Abend des 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten jüdische Gotteshäuser, Geschäfte und Menschen angegriffen. Dabei sollten die Attacken wie ein spontaner Ausbruch von großen Teilen der deutschen Bevölkerung wirken, tatsächlich waren sie zentral geplant. Vorwand war ein Attentat eines Juden auf einen deutschen Botschaftsmitarbeiter in Paris zwei Tage zuvor. Schätzungen gehen von mehr als 1.300 Toten infolge der Pogromnacht aus. Die gewalttätige Eskalation der Schikanen der Nationalsozialisten gegen Juden war ein entscheidender Schritt hin zur Judenvernichtung.

Die EKD verwies darauf, dass die EKD-Synode im Jahr 2023 die Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und Antisemitismus bekräftigt habe. Für die diesjährige Synode in Würzburg sei zum Jahrestag der Novemberpogrome eine Gedenkveranstaltung geplant.