Seenotretter kritisieren Festsetzungen von Schiffen durch Italien

Seenotretter kritisieren Festsetzungen von Schiffen durch Italien
Die Schiffe ziviler Seenotretter werden nach dem Einsatz auf dem Mittelmeer immer wieder von Italien festgesetzt. Binnen eines Jahres seien dadurch Hunderte Einsatztage verloren gegangen, kritisiert das Bündnis "Justice Fleet".

Berlin (epd). Die Festsetzung ziviler Seenotrettungsschiffe durch die italienischen Behörden hat laut dem Bündnis „Justice Fleet“ binnen eines Jahres mehr als 300 Einsatztage gekostet. Zwischen November 2025 und September 2026 seien acht Schiffe, unter anderem von Sea-Watch und SOS Humanity, insgesamt zwölfmal festgesetzt worden, teilten die Seenotrettungsorganisationen am Donnerstag in Berlin mit. Zugleich sei im zentralen Mittelmeer - einer wichtigen Flucht- und Migrationsroute nach Europa - das tödlichste erste Quartal seit zehn Jahren verzeichnet worden.

In sieben Fällen seien die Schiffe festgesetzt worden, weil sie nicht mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle kommuniziert hätten, hieß es. Das Bündnis lehnt eine Zusammenarbeit mit der sogenannten libyschen Küstenwache aufgrund von Gewalt gegen Geflüchtete und Seenotretter ab. „Italien verlangt von uns, die Menschen, die wir retten, genau jenen Milizen zu überlassen, die auf sie schießen und sie gewaltsam in Haft, Folter und Erpressung zurückverschleppen“, sagte Giulia Messmer, Sprecherin der „Justice Fleet“.

Erfolge vor Gericht

Ein weiterer Vorwurf habe gelautet, dass zugewiesene Häfen nicht angesteuert worden seien. Dies sei etwa aufgrund mangelnder Treibstoffreserven nicht möglich gewesen. Das Bündnis verwies auf Erfolge vor italienischen Gerichten. In sechs Fällen seien die Festsetzungen im Eilverfahren wieder aufgehoben worden. Sechs weitere Festsetzungen würden gerichtlich geprüft.

Das Bündnis „Justice Fleet“ war vor einem Jahr gegründet worden. Die 13 Mitglieder, darunter Sea-Watch, SOS Humanity, Sea-Eye und Mission Lifeline, weigern sich, bei Einsätzen auf dem Mittelmeer mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle in Tripolis zu kommunizieren. Die Seenotrettungsorganisationen machen die von der EU unterstützte sogenannte libysche Küstenwache für „extreme Gewalt“ auf See verantwortlich. Allein 2025 hätten sie mehr als 27.000 Menschen gewaltsam zurück nach Libyen verschleppt.

Fast 2.050 Menschen tot oder vermisst

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Seit Beginn des Jahres sind fast 2.050 Menschen bei der Überfahrt gestorben oder werden vermisst.