Kriminologin: Jugendliche müssen Selbstwirksamkeit spüren

Kriminologin: Jugendliche müssen Selbstwirksamkeit spüren
Die Proteste der Gruppe "Gen Z regelt" sind mancherorts in Gewalt gekippt. Eine Wissenschaftlerin warnt jedoch vor einseitigen Schuldzuweisungen.

Berlin (epd). Die Berliner Kriminologin und Strafrechtlerin Katrin Höffler rechnet nicht mit andauernden Gewaltausschreitungen bei den jüngst begonnenen Jugendprotesten. „Die normale Jugendgewalt ist davon gekennzeichnet, dass sie episodenhaft ist“, sagte die Juraprofessorin an der Humboldt-Universität der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag): „Das heißt, sie hört in der Regel von selbst wieder auf. Das ist eine kurze Phase im Leben.“ Wenn der Staat überreagiere und „junge Leute dauerhaft brandmarkt“, könne dies die Phase aber verlängern.

Dabei warnte Höffler vor einseitigen Schuldzuweisungen. Von der Politik und teils auch von Medien sei der Umstand, dass viele Protestierende einen Migrationshintergrund hatten, so hervorgehoben worden, „als liege darin eine Ursache für die Eskalation“. In Städten wie Frankfurt am Main hätten etwa 40 Prozent der Jugendlichen Eltern oder Großeltern, „die irgendwann eingewandert sind“. Es sei deshalb nichts Besonderes, wenn auch auf einem Schülerprotest dieser hohe Anteil sichtbar werde.

Scharfe Reaktion des Staates

Höffler sagte mit Blick aufdie Klimaproteste der „Letzten Generation“, dass die Reaktion des Staates darauf „zuletzt extrem scharf“ gewesen sei. Es habe teils Freiheitsstrafen, Präventivhaft und Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung gegeben. Für junge Menschen sei es aber wichtig, Selbstwirksamkeit zu spüren, „und zwar innerhalb des demokratischen Systems“. Wenn dies dauerhaft vereitelt oder abgebügelt werde, „dann schlägt das irgendwann um: entweder in Resignation oder bei einigen in eine radikalere Anti-Haltung und Enthemmung“.