Klimaanpassung: Milliardenlücke bei Hilfen für ärmere Länder

Klimaanpassung: Milliardenlücke bei Hilfen für ärmere Länder
Das UN-Umweltprogramm warnt vor einer wachsenden Finanzierungslücke bei der Klimaanpassung: Reiche Länder zahlen nicht genug an ärmere Länder, um die Folgen der Klimakrise zu bewältigen. Verbände sehen dabei auch die Bundesregierung in der Pflicht.
04.11.2026
epd
Von Gundula Haage (epd)

Berlin (epd). Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz hat das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) die mangelnde Hilfe von Industriestaaten für ärmere Länder bei der Anpassung an die Erderhitzung kritisiert. Die Finanzströme für Anpassungsmaßnahmen von den Industriestaaten in die Entwicklungsländer hätten 2024 lediglich 28,2 bis 31,7 Milliarden US-Dollar betragen, erklärte das Unep in seinem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zum Stand der internationalen Klimaanpassung (Adaptation Gap Report). Damit liegen die Hilfen für Anpassungsmaßnahmen der Entwicklungsländer laut dem Hilfswerk weit unter dem geschätzten jährlichen Bedarf von 305 Milliarden US-Dollar.

Zuletzt seien die Zahlungen um nur eine Milliarde US-Dollar gestiegen. Dem Unep-Bericht zufolge führt eine schwache Klima- und Naturschutzpolitik weltweit zu zunehmend steigenden Anpassungskosten: Bis zum Jahr 2035 werden demnach voraussichtlich 420 Milliarden US-Dollar Anpassungskosten an die Folgen der Klimakrise pro Jahr benötigt.

Frühwarnsysteme und klimaresistenter Anbau nötig

Zu den Anpassungsmaßnahmen gehören die Entwicklung von Frühwarnsystemen für Extremwetter, Befestigung der Küsten oder klimaresistente Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Begründet werden die Hilfen an die Armen mit dem Verursacherprinzip. Danach sind die reichen Länder für den Großteil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die Finanzströme in die am wenigsten entwickelten Länder und die kleinen Inselentwicklungsstaaten stiegen laut Unep zwischen 2019 und 2024 real an. Sie seien jedoch seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 zurückgegangen. Grund dafür seien unter anderem die weltweiten Einsparungen bei der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

„Brot für die Welt“: Industriestaaten stehen nicht zu ihrem Wort

Die Klimaexpertin von „Brot für die Welt“, Sabine Minninger, warf den Ländern mit historisch hohen Emissionen vor, ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden. „Der Bericht ist der traurige Beweis dafür, dass die Industriestaaten als Hauptverursacher der Klimakrise den Globalen Süden mit den Folgen im Stich lassen“, kritisierte Minninger. Reiche Länder stünden nicht zu ihren bereits getroffenen Zusagen.

Auch Deutschland trage zur Misere bei: „Statt wie zugesagt ab dem Jahr 2025 jährlich sechs Milliarden für Klimaschutz und Anpassung bereitzustellen, flossen bisher nur 4,7 Milliarden Euro durch die Bundesregierung“, sagte die Klimaexpertin des evangelischen Hilfswerks.

Umweltorganisationen sehen Bundesregierung in der Pflicht

Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF forderten angesichts der Unep-Zahlen verbindliche Finanzierungsfahrpläne von der Bundesregierung. Die deutschen Mittel für Anpassungsmaßnahmen müssten bis 2035 mindestens verdreifacht werden, erklärte der Klimaexperte von Greenpeace Deutschland, Jannes Stoppel.

Gleichzeitig müsse neben Anpassung auch verstärkt in den Klimaschutz investiert werden, mahnte Fentje Jacobsen von WWF Deutschland: „Wenn wir jetzt nicht schnell von unserem hohen Emissionslevel herunterkommen, werden die Folgen der Klimakrise so gewaltig, dass die Anpassung zu einer Sisyphos-Arbeit verkommen könnte.“

Bei der 31. Weltklimakonferenz im türkischen Antalya beraten ab dem 9. November Delegierte aus knapp 200 Staaten über die nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung. Der Gastgeber Türkei teilt sich die Ausrichtung mit Australien.