Berlin (epd). Zum Start eines Runden Tischs gegen Machtmissbrauch im Krankenhaus unter Kollegen haben die Ärztevereinigung Marburger Bund, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Pflegerat konkrete Schritte angekündigt. Gemeinsam sollen Schulungen für Führungskräfte erarbeitet und die Eignung klinikinterner Meldestellen überprüft werden, sagte der DKG Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß am Mittwoch in Berlin. Zu dem Runden Tisch gehören neben DKG, Marburger Bund und Pflegerat weitere ärztliche und Klinikverbände.
Gaß sagte weiter, Fehlverhalten im Krankenhaus müsse auch Konsequenzen haben wie Ermahnungen, Abmahnungen, Kündigungen oder strafrechtliche Ermittlungen. „Wir haben dem Thema in der Vergangenheit nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt“, räumte er ein. Die Rechte von Beschuldigten müssten aber gewahrt bleiben.
Zusammenhang mit steilen Hierarchien
Im April hatte eine Umfrage des Marburger Bunds ergeben, dass Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern innerhalb der vorangegangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch (49 Prozent von mehr als 9.000 Befragten) und sexualisierte Gewalt (13 Prozent) erlebt hatten.
Die Erste Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, nannte Machtmissbrauch im Krankenhaus ein Problem, „das mit den hierarchischen Strukturen zusammenhängt“. Pflegerats-Geschäftsführerin Christine Denk wies darauf hin, dass eine „Kultur der Angst“ zu schlechterer Patientenversorgung führe, weil Teammitglieder sich nicht trauten, ihre Expertisen einzubringen.




