Berlin (epd). Der Streit um die finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer droht laut der „Brot für die Welt“-Klimaexpertin Sabine Minninger den Weltklimagipfel in Antalya zu überschatten. Viele Länder des Globalen Südens pochten auf mehr finanzielle Unterstützung bei der Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung, sagte Minninger dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Da sehen wir in Antalya überhaupt keine Entspannung.“
Die ärmsten Staaten sowie die G77-Gruppe der Entwicklungsländer würden bei dem Thema Anpassung „richtig hart Druck machen“, sagte Minninger. Vergangenes Jahr habe die Staatengemeinschaft bei der Klimakonferenz in Brasilien zu einer Verdreifachung der Mittel für Anpassung bis 2035 aufgerufen, aber eine verbindliche Summe hätten die Industriestaaten nicht zugesagt.
Aufstockung gefordert
Die Entwicklungsländer forderten eine Aufstockung auf 120 Milliarden US-Dollar, sagte Minninger. Ausgehend von aktuellen Mittelflüssen werde dies nicht erreicht, dabei seien die Länder dringend darauf angewiesen. Die ärmsten Staaten hätten sich deutlich mehr Geld gewünscht, sagte Minninger: „Sie haben sich letztlich über den Tisch gezogen gefühlt und das hat Vertrauen gekostet.“ Dieser Vertrauensbruch wirke bis heute nach.
Der Streit könnte auch andere Themen überlagern, etwa Vereinbarungen zur Abkehr von fossilen Brennstoffen, warnte die „Brot für die Welt“-Expertin: „Es gibt viele Entscheidungen, die blockiert werden können, weil die Anpassungsfinanzierung nicht geklärt ist.“
Streit ums Geld: Dahinter steht eine Gerechtigkeitsfrage
Bei der 31. Weltklimakonferenz im türkischen Antalya, im Fachjargon COP 31 genannt, beraten Delegierte aus knapp 200 Staaten über die nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung. Der Gastgeber Türkei teilt sich die Ausrichtung mit Australien. Der Streit ums Geld ist ein Dauerthema auf den jährlichen stattfindenden Gipfeln. Dahinter steht eine globale Gerechtigkeitsfrage. Vertreter ärmerer Länder argumentieren, dass sie durch ihre geringen CO2-Emissionen kaum zum Klimawandel beigetragen haben und dennoch stark unter den Folgen leiden.
Bei der Klimakonferenz in Aserbaidschan vor zwei Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft auf einen neuen Finanzrahmen für die Unterstützung einkommensschwacher Länder. Vorgesehen ist, die Mittel bis 2035 auf 300 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen. Darunter fallen Gelder für die Minderung von Emissionen sowie für die Anpassung.




