Jüdische Akademie soll "Haus der Zukunft" sein

Jüdische Akademie soll "Haus der Zukunft" sein
In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein "Haus der Zukunft" sein.

Frankfurt a.M. (epd). Die Jüdische Akademie in Frankfurt am Main hat am Tag nach ihrer Eröffnung Gäste über ihre Aufgabe diskutieren lassen. „Ihr seid Hoffnungsträger“, sagte am Dienstag der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Benjamin Graumann, der zugleich Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland ist. Mehr als 80 Prozent der Jüdinnen und Juden in Deutschland beurteilten ihre Situation pessimistisch. Seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Anstieg von antisemitischen Drohungen und Übergriffen sei das Leben von Juden in Deutschland „so gefährdet wie nie zuvor und gleichzeitig so bunt und vielfältig wie nie zuvor“.

An der Akademie solle es nicht nur um Antisemitismus und Israel gehen, sondern auch um jüdische Kultur, Wissenschaft, Humor und Optimismus. Jüdische Menschen hätten ein Bedürfnis nach Orten, die sicher seien und an denen sie gehört würden, sagte Graumann. „Die Akademie wird nicht nur ein safe space (sicherer Ort), sie wird auch ein brave space (mutiger Ort) sein“, sagte er. Hier dürfe man sich trauen, auch kritische Themen anzusprechen.

Negative Fremdzuschreibungen positiv besetzen

Der Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Ron Dekel, nannte solche Themen. Im Blick nach außen gehe es darum, fortwährend vorgebrachte negative Fremdzuschreibungen wie „Du Zionist!“, die auf Schmierereien in Hochschultoiletten mit Mordaufrufen verbunden seien, wieder positiv zu besetzen.

„Wichtig ist, dass Juden sich nicht von einem gesellschaftlichen Klima einschüchtern lassen“, betonte Dekel. So hätten jüdische Studierende im vergangenen Herbst an der TU Berlin Räume des AStA besetzt, um gegen antisemitische Parolen auf dem Campus und im AStA zu protestieren. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gehe es etwa um die strittige Frage, ob das Judesein auch mit der Abstammung von einem jüdischen Vater definiert werden könne. „Wir erleben ein Sterben von Gemeinden“, gab Dekel zu bedenken. Die jüdische Gemeinschaft müsse sich selbst stärken, dazu könne die Akademie einen Beitrag leisten. Dabei sollten sich konservative und linke jüdische Stimmen äußern können.