Berlin (epd). Die Religionsfreiheit ist nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen weltweit weiter unter Druck. Die Lage habe sich 2026 gegenüber den Vorjahren verschlechtert oder sei anhaltend schlecht geblieben, heißt es in den am Dienstag in Berlin vorgestellten Jahrbüchern „Religionsfreiheit 2026“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen“. Besonders verschärft habe sich die Situation im Iran, in Pakistan und Ägypten sowie in China und Kuba. Die Herausgeber warnen zudem vor einer zunehmenden politischen Instrumentalisierung von Religion.
„Populistische Instrumentalisierungen religiöser Identität oder Narrative zur Einschränkung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit sind auf dem Vormarsch“, hieß es dazu. Der Missbrauch des Glaubens als ideologische Waffe und Legitimierung von Kriegsverbrechen durch Russland sei eine sich verschärfende Besonderheit.
Religionsfreiheit wird aus Politik verdrängt
Die Religionsfreiheit sei weltweit gleich doppelt bedroht, erklärte Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und Präsident der International Society for Human Rights: „Durch diejenigen, die sie mit Füßen treten, und durch diejenigen, die sie aus der internationalen Politik verdrängen.“ In Afrika breite sich das Morden islamistischer Extremisten an Christen, gemäßigten Muslimen und Angehörigen traditioneller Religionen immer weiter aus, so Schirrmacher.
Martin Lessenthin, Menschenrechtsexperte und Mitherausgeber der Jahrbücher fügte hinzu: „Die weltweite Lage der Religionsfreiheit verschlechtert sich kontinuierlich.“ Kriege und politische Spannungen hätten eine Situation geschaffen, aus der heraus Unterdrückung, Diskriminierung und Verfolgung von den Tätern leichter versteckt und von den Entscheidungsträgern in den demokratischen Staaten leichter verdrängt werden können.
Die Menschenrechtsexperten Schirrmacher, Lessenthin und Martin Warnecke geben das Jahrbuch für die Arbeitskreise für Religionsfreiheit der Evangelischen Allianzen, das Internationale Institut für Religionsfreiheit und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte heraus.




